«Stehe ich nicht auf meinen zwei Füßen? Sehe ich nicht mit meinen zwei Augen? Fühle ich nicht mit meinen zwei Händen, daß die Luft trocken ist!?»

Da kam das Mädchen aus dem Boothaus und rief rasch zu den Musikantinnen auf das Dach hinauf:

«Spielt lauter! Bei allen Göttinnen bitte ich euch: spielt lauter!»

«Spielen die dort oben, oder spielen sie nicht?» fragte plötzlich Kiri.

«Zwei von ihnen spielten immer, Herr. Jetzt spielen aber alle sechs. Hörst du nicht, Geliebter? Höre doch! Komm in das Haus! Du hörst vor dem Ruderrauschen hier draußen nichts. Komm in das Haus!»

«Nein, ich höre nichts. Aber welches Lied spielen sie?»

«O Herr, sie spielen das Regenlied. Verzeiht! Sie spielen das Lied schon seit Wochen, um dich einzuschläfern, Herr. Ich habe gelogen, Herr.» Das Mädchen warf sich vor Kiri nieder. «O Geliebter, ich habe dich nicht von mir lassen wollen. Das ganze Land war voll Krieg. Die Samurais aus dem ganzen Land zogen in den Krieg. Seit Wochen tobt der Krieg. Als die Tempel den Krieg verkündeten, habe ich dein Schwert verstecken lassen und habe dich einschläfern lassen mit dem Regenlied und habe dich im Arm gehalten und habe dich in eine Sänfte bringen lassen. Und die Musikanten, die das Regenlied spielten, haben dich begleitet bis an den Biwasee, und ich habe ihnen befohlen, sich auf das Dach zu setzen, und zwei von ihnen mußten immer spielen, Tag und Nacht. Und ich habe dich nicht von meiner Seite lassen können Tag und Nacht, vor Furcht, daß dich der Krieg töte, wenn du ans Land gingest, und vor Furcht, daß der Tod dann mein Geliebter würde.

Jetzt aber sehe ich, daß Friede am Land ist. Deshalb glänzt Karasaki festlich beleuchtet in der Nacht. Und ich bin froh, daß Friede wurde, denn dein Ohr wollte nicht mehr auf die Musik des Regenliedes hören, und ich fühlte seit Tagen, daß ich dich nicht mehr aufhalten könnte, wenn du die Musik nicht mehr hörtest und an den Regen nicht mehr glaubtest.

Sieh, Geliebter, jetzt kann ich dich nicht mehr verlieren. Jetzt können wir in unser Haus zurückkehren. Ich habe dein und mein Leben gerettet. Denn die Toten können sich nicht küssen, nur die Lebenden.

Was hast du, Geliebter? Blendet dich das Mondlicht? O, bei den Göttern, ich hatte doch kein Gift auf meinen Lippen, als ich dich küßte! Warum wirfst du dich auf deine Knie? Warum schüttelst du die Fäuste in die Luft? Warum wird dein Haar lebendig und sträubt sich wie bei einer Katze?