In den Wolfsgräben, auf deren Grund die Russen Bajonette senkrecht eingerammt hatten, warf Kiri sich hunderte Male steif wie ein Balken quer über die Bajonette und ließ seine Kameraden über seinen Rücken laufen. Und er blieb steif gestreckt, und sein Leib widerstand den Spitzen der Bajonette, so hart machte der Mut seinen Körper, so hart, daß die Bajonette nicht einmal seine Augäpfel zerschnitten hatten, bis der letzte seines Regiments über ihn weggeschritten war. Dann stand er heil und unversehrt auf.

Zum letzten Male, als man von Kiri hörte, verdingte er sich verkleidet als russischer Lotse, gelangte an das russische Admiralsschiff und führt es in einem Morgennebel vor die Kanonen der im Nebel verborgenen japanischen Flotte. Mit diesem Schiff war Kiri untergegangen, und niemand hatte ihn seitdem wiedergesehen.

Waffen, die er getragen, Uniformstücke, die seine Kameraden von ihm aufgehoben hatten, alles lag jetzt auf dem Ehrenplatz im Kriegsmuseum, dicht neben dem eroberten zerschossenen Feldbett des russischen Generals Kuropatkin.

Nun hatte es sich von Mund zu Mund auf den Straßen von Tokio weitergesprochen, daß die Eltern des großen Kriegshelden Kiri, die Mutter, die ihn im Schoß getragen, der Vater, der ihn gezeugt hatte, auf das Paradefeld kämen. Dort stand ein mächtiger stacheliger Triumphbogen, aufgebaut aus erbeuteten russischen Bajonetten. Weit über das morgensonnige Feld blendeten die langen Reihen von erbeuteten russischen Kanonen, aufgestapelten Stahlgranaten und eroberten Torpedogeschossen. Und über der Holzhalle des Kriegsmuseums wimmelte ein Wald von erbeuteten Fahnen, die den Himmel bunt belebten, ähnlich den bunten Scharen von Papierfischen, die am ersten April über den Dächern flattern.

Der Älteste der angesehenen Männer aus Karasaki sagte: «Alle diese Fahnen hat euer Kiri erbeutet! Für jede seiner Heldentaten hängt eine Fahne dort über dem Dach des Kriegsmuseums, in dem euer Sohn jetzt als ewiger Name wohnt, angebetet vom japanischen Volk wie ein Kriegsgott.» –

Geehrt von Kaiser und Reich, kehrten die Fischersleute nach den Friedensfeierlichkeiten wieder heim nach Karasaki. Und als man ihnen in der Stadt Karasaki eine neue Hütte bauen wollte und dem Vater einen neuen Kahn geben wollte, sträubten sich die beiden Alten und sagten: «Das Holz des Kahnes und die Bambuswände der Hütte und die Papierscheiben, die mit uns alt und grau geworden sind, und die mit Kiri so oft den Nachtregen fallen hörten, – alle diese Dinge sind wohltönend geworden vom Alter und den Erinnerungen und wohltönend von dem Nachtregen, der melodisch auf sie gefallen ist; wir leben im Alten wohler als im Neuen, wir alten Leute.»

Den Regen von Karasaki hören bedeutet am Biwasee heute noch, daß dich dann nie ein Mißlaut beirren wird; denn Kiris Heldenseele lauscht mit dir, und dieser Nachtregen singt von Liebe und Unsterblichkeit.