«Du sagtest mir, Amagata hätte sterbend gewünscht, daß ich dich, Omiya, lieben sollte; darum heiratete ich dich, seinen Freund. Aber niemals habe ich dir gesagt und niemals dir gestanden, daß ich nur deshalb auf der Erde blieb, nachdem Amagata tot war, um sein Kind zu gebären, damit dieses so glücklich würde, wie ich glücklich war an meinem Hochzeitsmittag mit Amagata auf dem See. Das Glück, das ich in Amagatas Armen auf dem See draußen zum ersten Male genoß, wollte ich verlängern, wollte seinen Sohn gebären und nicht sterben, bis Amagatas Fleisch und Blut die Liebe kennen lernen würde und die glücklichsten Liebessekunden, wie ich sie gekannt habe. Amagata, mein toter Geliebter, sollte in seinem Sohn für mich weiteratmen.»
«Verflucht!» brüllte Omiya. Und seine Kehle gurgelte wilde Laute, wie die Kehle eines, der im dunkeln Wasser um sich schlägt und Wasser schluckt und schreien will und um sich speit und nicht Luft zum Schreien findet.
Dann verlosch die Blendlaterne. Es geschah scheinbar nichts im Dunkeln. Kein Seufzen, kein Schrei mehr. Doch fanden am Morgen die Leute von Ozu die kleine, blasse Frau des Omiya erwürgt neben der Leiche ihres ertrunkenen Sohnes.
Omiya aber blieb unauffindbar und ungestraft, was gleich ist mit der größten Strafe der Götter.
[Der Wildgänse Flug in Katata nachschauen]
In der alten Hauptstadt Kioto, in der ältesten Künstler-, Tempel- und Kaiserstadt Japans, hatten im Mittelalter viele Maler den Auftrag erhalten, die Gemächer eines Bergtempels zu bemalen. In diesen Tempel zog sich die kaiserliche Familie in den Sommertagen zurück und pflegte dort einige Wochen unter der Obhut der reichen Mönche zu wohnen.
Die Maler begannen ihr Werk. Einer malte einen Saal, wo Sperlinge in Scharen über die Wände flogen und sich in Reisfeldern und Bambushainen auf Halmen und Rohren schaukelten. Ein anderer Maler malte auf Silberpapiergrund einen Saal, wo große Meereswellen aufrauschten und die vier Wände umschäumten. Wieder ein anderer Maler malte einen Saal voll von Katzenmüttern und jungen Katzen, die in Blumenkörben spielten und die Blütenköpfe großer Päonien zerzupften.
Der erste Saal wurde der Sperlingssaal genannt, der zweite der Saal der schäumenden Wellen, der dritte der Saal der spielenden Katzen.
Der Kaiser und die Kaiserin, die an der Ausschmückung viel Anteil nahmen, ließen sich jedesmal, wenn ein Saal beendet war, in Sänften und mit großem Pomp zu dem Bergtempel tragen und verbrachten eine Teestunde in dem neuen Saal. Und sie nahmen öfters ihre jungen Prinzessinnen mit, drei an der Zahl. Und der Kaiser sagte zur ältesten eines Tages, als sie den Tempel wieder besichtigten: