Der Biwasee lag wie Öl so glatt, und auch die Luft war wie Öl. Als legte man zwei Spiegel aufeinander, so lag der Spiegel des abendlichen Vorfrühlingshimmels auf dem Spiegel des Sees.

Graswürzelein legte plötzlich die Ruder ins Boot und sagte: «Still! Sie kommen!» Und gleich darauf wiederholte sie:

«Still! Sie kommen!»

Oizo wunderte sich, warum er denn still sein solle, da er nicht sprach. Er wußte nicht, daß seine Stimme fortwährend in den Ohren des Mädchens summte und ihr Blut unausgesetzt mit ihm redete.

Ihm selbst geschah jetzt das gleiche. Er fuhr auf und sagte:

«Still! Sie kommen!» Denn auch er hörte das Mädchen in seinem Blut reden, – sie, die kein Wort sprach.

Dann war es, als wenn Ruderkähne hoch in der Luft mit großen Ruderschlägen herbeiführen, und als ob Mühlen sich drehten mit unsichtbaren Rädern. Und Laute, die nicht Musik, nicht Menschenstimmen und nicht Tierstimmen glichen, die aber feierliche Akkorde in die Stille über den See schufen, klangen irgendwo im unermessenen Abendraum, kreiselten, waren da, wurden im Abendgrau zu weißen fliegenden Erscheinungen, bildeten dann eine Kette über den Köpfen des Mädchens und des Mannes, zogen ein Spiegelbild im Wasser nach, wie eine Reihe weißer winkender Tücher. Die weiße Geisterkette beschrieb eine weiße Schleife am Himmel und eine weiße Schleife im Wasserspiegel und verrauschte wie ein musikalischer Windton und hinterließ Atemzüge von Befremdung, von Sehnsucht, als wäre die Luft mit unerfüllten Wünschen noch lange nach dem Vorbeizug der Wildgänse von Katata angefüllt.

Es war jetzt so dunkel auf dem See, als wäre die Dunkelheit wie ein zweites Wasser aus der Tiefe gestiegen und stünde über den Köpfen der beiden Menschen im Kahn. Es war nur noch ein Rest von der Tageshelle, klein wie ein durchsichtiges Ei, im Westen über dem Strand.

Oizo konnte nicht Graswürzeleins Gesicht sehen. Er tastete nach der Bank im Schiff, suchte ihre Hände, die er streicheln wollte. Aber sie hatte ihre beiden Hände in die weiten Ärmel ihres Kleides gewickelt, als hätte man ihr die Hände abgeschlagen.

«Gib mir deine Hände! Ich will sie dir wärmen, wenn du frierst. Oder fürchtest du dich vor bösen Seegeistern, daß sie dich an der Hand nehmen könnten? Hab keine Furcht, Graswürzelein! Du bist zu schön. Alle Götter müssen dich beschützen. Auch die bösen Götter werden gute Götter, wenn du sie ansiehst.»