Dann komme ich wieder und baue in Katata mein Haus. Und du sollst nicht mehr den Ofen deines Vaters schüren. Du sollst neben mir sitzen bei meinem eignen Feuer. Und ich will dich malen, immer wieder malen, in dem Kleide des Vorfrühlings, am Strand, im Haus, im Mond, im Wasser, am Feuer. Und alle sollen sagen: das ist das glücklichste Mädchen von Katata. Sie ist auf allen Bildern im Vorfrühling gemalt, zur warmen Abendstunde, in der man den Flug der Wildgänse erwartet und verliebt sagt, auch wenn niemand redet: Still! Sie kommen!»
Da wickelte Graswürzelein ihre Hände aus den Ärmeln und umschlang Oizo.
[Von Ishiyama den Herbstmond aufgehen sehen]
Unter den zehn Teehausmädchen im Teehaus von Ishiyama war «Hasenauge» eines der unscheinbarsten. Sie war nicht feurig, sie tanzte auch nicht sehr lebendig, sie schminkte sich unordentlich und trug die vier Schleppen ihrer vier Seidenkleider nicht in der richtigen Abstufung übereinander. Aber sie konnte Geschichten erzählen, kleine winzige Geschichten, die nur fünf Minuten dauerten, aber fünf Tage zum Nachdenken gaben. Deshalb war sie in aller Unscheinbarkeit eine Kostbarkeit für das Teehaus in Ishiyama.
«Hasenauge» kannte dreitausend Geschichten allein über den aufgehenden Herbstmond, der, von Ishiyama gesehen, als eines der herrlichsten Schauspiele über den Biwasee gilt.
Ich will drei dieser nachdenklichen Geschichten hier wiedererzählen, die alle den Herbstmond von Ishiyama teils als Hauptperson, teils als Hintergrund haben.
Stellt euch vor, wir hätten eben in einem der kleinen Gemächer, im ersten Stock des Teehauses, auf den geglätteten Strohmatten des Fußbodens, auf dünnen, nur fingerdicken seidenen Kissen an der Diele Platz genommen. Die Schiebefenster zum See sind weit offen. Hinter dem roten Lackgeländer der kleinen Veranda liegt die Seeflut, wie ein Wasser, das bis ans Ende der Welt reicht. Zu beiden Seiten der Fenster zischeln Wassereschen. Ihre Blätter sind in der Abenddämmerung lang und schmal und flirren wie Libellenschwärme vor dem perlmutterfarbigen Seeglanz.
Es liegen auch ein paar Hügellinien hinter den Bäumen, die sind im Abend wie grünliche Glasglocken. Der Himmel ist spinnwebgrau und scheint hinter einem Zipfel des Sees leicht zu brennen, wie wenn man ein Streichholzflämmchen an einen Schleier hält. Die Helle kommt vom aufgehenden Mond, den deine und viele Augen jetzt auf den Altanen der Häuser von Ishiyama erwarten.