Ich liebte die Weihnachtsheimlichkeit mit ihrer Mettenstunde, mit ihren Krippenliedern und ihrem Krippenspiel. Ich liebte die Karwoche mit ihrem wehmütigen Karfreitagsleid und wandelte so mit den Festtagen durchs Jahr, denn nur die Kirchenfeste erinnerten mich noch an die Religion, die man mich in der Schule gelehrt hatte.
Gott konnte für mich ebensogut Wirklichkeit wie eine schöne Vorstellung sein. Niemand konnte ergründen, wohin die Toten gehen, niemand konnte ergründen, woher das Leben gekommen war.
Warum sollte es mir daher einfallen, über Gott, der eine uralte Überlieferung war, nachzugrübeln, oder gar diesen Gott abzusetzen. Fragte mich denn jemand, ob ich die Welt haben wollte, wie sie war? Fragte mich denn jemand, ob ich meinen Vater haben wollte, wie er war? Warum sollte ich nicht ebensogut Gott bestehen lassen, da ihn doch die Väter hatten bestehen lassen und deren Väter?!
Auf jenem Abendspaziergang aber auf dem Steinberge, als die Sterne am Nachthimmel wie ein Silberregen glitzerten, kam mir in der Nähe meines immer gedankenvollen Freundes der leichte Ausruf auf die Lippen: „Schade, daß man sterben wird und niemals erfahren wird, wer diese Haufen Sterne geschaffen hat.“
Es war jene Frage, die man so oft nachts an den Himmel richtet, die jeder junge Mensch einmal fragen muß. Eine Frage, die mehr einen leisen Stoßseufzer bedeutet, der aus dem angenehmen Unterbewußtsein kommt, daß das Unerklärliche an der Welt das Köstlichste ist, daß es süß ist, sich in dieser Unerklärlichkeit nur als eine Krume auf dem ungeheueren Welttisch zu fühlen, als eine Wenigkeit, die im Verhältnis zu den riesenhaften Welträumen gar nicht in Frage zu kommen scheint.
Man genießt bei diesem Seufzen in einem Atemzug des Himmels Riesenräume, in denen keine Menschenmacht mitzureden hat. Man genießt sie als eine Freiheit, als ein Aufatmen vom Menschendruck unserer menschenvollen Erde.
Der junge Philosoph antwortete mir, und ich hörte in seiner Stimme ein spöttisches Verachten:
„Wer sagt Ihnen denn, daß die Sterne einen Schöpfer brauchten? Die Sterne sind Atome, die immer waren. Wir können das jedenfalls geradesogut annehmen, wie wir annehmen, daß sie einen Schöpfer haben sollten. Beweise haben wir weder für das eine noch für das andere Vorstellungsbild.