Und ich war unzählige Male ein roter Stein und ein gelber Stein und ein brauner Stein und ein grauer Stein gewesen und hatte angeschwemmten Tang jahrelang an mich anwachsen lassen und kleine Schnecken. Und ich bin in der Ebbezeit ein wenig aus dem Wasser gestiegen und bin in der Flutzeit mit meinem Tang und meinen Schnecken, vom Wasser überspült, unsichtbar geworden für die Oberwelt.

Ich bin in so vielen Leben gewesen, die ich vorher nicht gekannt hatte, so daß es mich sehr erstaunte, als die Frau in dem Haus an der Klippengasse in denselben Kleidern zu mir trat und in dieselben Möbel mich niedersetzen hieß, die ich in Fjellbacka, wie mir schien, vor Tausenden von Jahren verlassen hatte.

Denn wenn ich im Boot an Menschen dachte, so hatte ich vergangener Menschen Leben in den Meergassen nachgelebt. Unser Segelboot hatte sich unzählige Male in das Drachenschiff eines Wikinghäuptlings verwandelt. Denn diese Wasserläufe, durch die wir kreuzten, hatten früher die Spiegelbilder der Boote der Wikinger vor Tausenden von Jahren verschluckt und widergespiegelt. Und die Felsen hatten damals die Stimmen der erzenen Wikingschilde und die Zurufe der Männer in sich verschluckt und konnten sie zurückrufen, wenn wir an sie dachten in der Totenstille.

Dieses gewesene Leben früherer Menschen, das ich auch gewesen bin und wir alle gewesen sind, tönte mit seiner Unergründlichkeit von fern in meinem Bewußtsein an, so daß ich die Gegenwart nur noch verschollen fühlte, und alle Vergangenheit war Macht und Wirklichkeit in mir geworden.

Und so werden auch wir Heutigen einmal über die Zukunftswelt Macht haben, wenn wir Großes getan, Starkes, das sich den Zeiten einprägt wie der Name des Wikingervolkes. So werden Menschen in fernen Zeiten für Augenblicke uns wieder zur Wirklichkeit rufen können, indem wir Besitz von ihren Sinnen, ihrem Geist und ihrem Herzen ergreifen dürfen, und unsere Menschengestalt wird auch für Augenblicke durch zukünftige Menschen wieder zur Wirklichkeit hintreten können. Denn die Menschengestalt, die wir im Tode ablegten, auch sie kennt keinen Tod. Auch ihr Zerfall wird wirklich und unwirklich sein, wie alles Weltalleben. —

Die Fischerfrau, die uns empfangen hatte, erzählte uns, daß ihr Mann nach Fjellbacka gefahren sei; aber wir waren ihm in dem Labyrinth der Inselgassen, da wir auf Umwegen kamen, nicht begegnet. Sie kochte dann für uns Kaffee. Jede einzelne alltäglichste Handlung in diesem einsamen Hause, das umgeben vom breiten Rahmen einer unergründlichen Stille dalag, war hier in dieser Weltferne wertvoll und wichtig, jede Handlung wurde bedeutungsvoll wie ein Kunstwerk im Rahmen künstlerischer Ruhe.

Ein wenig Reisigfeuer prasselte in der Küche auf dem ganz neuzeitlichen eisernen Kochherd, der wahrscheinlich von Gothenburg nach Fjellbacka gebracht worden war. Aber selbst dieser geschmacklose und sonst unschöne Gußeisenherd konnte in dieser Einsamkeit nicht einmal unschön wirken. Er sprach von Treuherzigkeit und Einfalt, ließ die Funken knistern und krachen und zeigte Hilfsbereitschaft wie die Hände der Frau.

Der arbeitende Eisenherd war in der Weltferne hier ein lebendes Wesen geworden, hatte Lebensberechtigung und Lebensbedeutung und war beteiligt am Wohl des Häuschens und verschwand nicht hinter dem tausendfachen leeren Lärmen des Tages, wie die Dinge in den menschenreichen Städten heutzutage hinter dem lärmenden Menschenleben, dem überanspruchsvollen, verschwinden müssen und nur stumme Sklaven sein dürfen, statt mitlebende Freunde und Berater.

Daß wenig Gerät im Hause war, das war es vor allem, was allen Dingen Bedeutung und ein Sichtbarwerden ihres Lebens zukommen ließ. Die Stühle und das Sofa kannten die Frau so gut, wie die Finger an ihren Händen sie kannten.

Da waren im Häuschen auch keine großen hallenden, toten Räume, die totgeborenen Geschöpfen gleichen, wie sie der Mensch in den Städten nur seiner Eitelkeit, seinem leersten Gefühl zuliebe erstehen läßt.