Solche Eitelkeit ist nicht einmal ein Gefühl, so wenig wie der Sonnenreflex Sonne ist. Eitelkeit ist nur zurückgespiegeltes Gefühl. Eitelkeit ist hinter allen Gefühlen immer nur eine Gefühlsleiche, und ihr Anblick erkältet und läßt kein warmes Leben aufkommen. —
Dieses Häuschen war für seine Bewohner nicht mehr als eine Nußschale um einen Nußkern. Und mehr Schale, als der Kern braucht, mehr sollte der Mensch an Geräten und Haus nicht um sich sammeln. Sonst wird die Schale zum Ballast, und der Kern erstickt dumpf und wird schimmelig und verwest im ungesunden Druck der Eitelkeitslasten.
Die Fischerfrau brachte dann ihre guten Tassen, und aus ihrer silbernen Kaffeekanne — die das ständige Hochzeitsgeschenk dort im Lande ist — goß sie uns den Kaffee in die uns anlächelnden ehrwürdigen Tassen. Und ebenfalls in einer silbernen Schale auf hohem Silberfuß stellte sie den Zucker zum Kaffee in die Mitte des Tisches und reichte uns auf einem Glasteller von ihrem Zwiebackvorrat, der zu jedem Fischerhause hier gehört wie das Salz.
Ehe die Frau aber das alles brachte, hörten wir zuerst eine Ziege im Holzschuppen neben dem Häuschen meckern, und der Schwede sagte lächelnd: „Jetzt ist sie zu ihrer Ziege gegangen, um Milch für den Kaffee zu melken.“
Wie wunderbar gewichtig wurde dieser einfache Imbiß, dieser Kaffee vormittags um elf Uhr, der im ganzen Lande Elfuhrkaffee genannt wird und eine Landesgewohnheit ist, da die Leute arm sind und nicht mit Wein oder Bier aufwarten können, wie in den südlichen Ländern.
Während wir dann den Kaffee tranken, setzte sich die Frau höflich ans Fenster, ein wenig abseits, um ihre Gäste nicht durch aufdringliches Zuschauen zu stören. An der Wand unter einem Glaskästchen sah ich die in Holz geschnitzte Abbildung eines Bootes, wie man sie fast bei allen Fischersleuten findet. Gewöhnlich haben einige männliche Angehörige solcher Fischerfamilien die Welt als Matrosen oder Steuermänner auf Frachtschiffen bereist und schnitzen, heimgekommen, zur Erinnerung ihr Schiff. Aber dieses Schiffchen hier war nur das Modell eines kleinen Segelbootes, wie sie in Fjellbacka von den Fischern angefertigt werden.
Die Frau folgte mit ihren Augen meinen Blicken und sagte dann — wie mir der Schwede übersetzte —, daß dieses Boot der eine ihrer beiden ertrunkenen Söhne angefertigt habe.
Sie sagte das einfach und sah mich an und hörte jetzt erst von dem jungen Pfarrerssohn, daß ich ihre Sprache nicht verstünde. Aber das hielt sie nicht ab, auch weiter zu mir zu sprechen, und ich merkte am Tonfall und an dem Blick, den sie bald mit dem Bootmodell und bald mit dem Meer draußen wechselte, daß sie mir das Unglück erzählte, wie es vor Jahren ihre Söhne betroffen.
Und als ich zuhörend unwillkürlich nickte, weil ich begriffen hatte, daß das Boot in der Inselgasse nicht weit vom Hause bei einem Sturm gekentert war, und daß dabei die jungen Leute ertrunken waren, da sah die Frau mich plötzlich ganz entgeistert an und wußte nicht recht, ob sie jetzt gar Deutsch gesprochen hätte, oder ob ich plötzlich bei ihr Schwedisch gelernt hätte. Und sie bat mich, Deutsch zu sprechen, sie wollte sehen, ob sie mich auch verstünde.