Wir standen eine Weile nebeneinander, und jeder von uns überlegte, so schien es mir, um eine Gesprächseinleitung zu finden. Aber das Taschentuch blieb dabei nicht still in den Händen des jungen Philosophen. Es glitt von seiner einen Hand in die andere, und wenn er nicht seine Augengläser putzte, so rieb er sich die Handflächen. Und dabei konnte er nicht ruhig auf beiden Füßen stehen. Er stand bald auf dem linken, bald auf dem rechten Fuß, und ich fühlte mich immer schuldbewußter werden.

Plötzlich meckerte er ein Lachen, schielte mich ein wenig von der Seite an und sagte: „Nun, welches Wunder verlangst du zuerst von mir?“

Da wurde ich wie erlöst, weil ich glaubte, er scherze, und ich sagte rasch: „Ich bitte dich, vergiß diesen Unsinn von mir. Ich verlange gar keine Wunder. Ich verlange nur, daß du derselbe Mensch wieder bist, der du früher warst.“ Und ich sah voll Angst das Taschentuch an, das da immer noch von seiner linken Hand in seine rechte wanderte und von der rechten in die linke Hand zurück.

„Du wunderst dich,“ sagte er und fing meinen Blick auf, „daß ich so unruhig bin. Aber ich habe in mir seit drei Tagen künstlich ein Fieber gesteigert. Ich habe Unmassen Tee und Kaffee getrunken und Zigarren und Zigaretten geraucht, um mich aufzurütteln.“

Während er dies sagte, befühlte er seinen Puls und stellte befriedigt fest, daß das Fieber immer noch stieg. Und er hielt mir seine rechte Hand hin, damit ich auch seinen Puls fühlen sollte. Das wollte ich aber gar nicht tun. Mein Herz klagte plötzlich, als läge es irgendwo wie ein verwundetes Wild im Dickicht. Dieser Mensch, sagte ich mir, zerstört sich, um seine Weltanschauung zu beweisen, die längst bewiesen ist. Denn sie ist dadurch bewiesen, daß sie den festlich stimmt, der sie ernst überlegt.

Ich wußte mir nicht mehr zu helfen. Er meckerte wieder ein unnatürliches Gelächter. Vielleicht ist er schon ganz von Sinnen, rief es in mir eilig und ratlos.

„Du willst ja Wunder haben, und das geht nicht nur so ohne Vorbereitung, wenn man sich mit der Sache noch nicht befaßt hat. Darum habe ich mich jetzt in diesen Tagen vorbereitet,“ fuhr er fort. „Laß uns mal eine Probe machen.

Ich will mal versuchen, ob ich vor deinen Augen fortschweben kann über die Stadt, über das ganze Maintal, hinüber auf die Berge da drüben.“ Und er deutete auf den sogenannten „Kugelfang“ hin, auf die Höhenfläche, die im Osten das Maintal abgrenzt und die Stadt Würzburg, die mit Türmen und Dächern reich im Tal ausgebreitet liegt. „Du mußt aber fest an die Möglichkeit glauben und keinen Augenblick an mir zweifeln,“ fügte er hinzu.