Ich wollte abwehren. Er sah es mir an, daß ich nicht mittun wollte, und rief aus: „Nun, das ist noch schöner! Jetzt, wo ich mich vorbereitet habe, willst du gar keine Wunder haben. Aber jetzt gibt es keinen Rückweg. Jetzt will ich die Wunder haben,“ behauptete er. „Willst du nun daran glauben oder nicht, daß ich das Wunder fertig bringe?“
Ich verstand, daß er sich fest vorgenommen hatte, mich zu überzeugen, und daß ich ihn nicht abbringen würde von seinem Vorsatz, Wunder wirken zu wollen.
„Ach,“ sagte ich, „ich glaube dir alles. An meinem Glauben soll es nicht fehlen. Sage mir aber nur, warum du fortwährend deine Handflächen mit dem Taschentuch reibst?“
„Das will ich dir gleich erklären. Das tue ich, um die Elektrizitätskraft, die ich in meinen Fingerspitzen und in meinen Handflächen sich ansammeln fühle, an die Hautoberfläche zu bringen, um vielleicht so die elektromagnetische Stromverbindung mit der Ferne herzustellen, mit jenem Berge da drüben, zu dem ich mich jetzt durch die Luft bewegen will.“
Da mußte ich ihm antworten: „Ich habe mir das Wunder eigentlich ganz anders vorgestellt. Ich habe nicht geglaubt, daß du dich in einen Fieberzustand versetzen müßtest. Auch nicht, daß du dich vermittelst Elektrizitätskräften und Magnetismus auf den Berg über das Tal hinweg versetzen willst. Sondern ich dachte, daß dein einfacher Wunsch allein im gesunden alltäglichen Körper das Wunder vollbringen würde, das du deiner Schöpferkraft zu tun befiehlst.“
Da meckerte er wieder und schielte mich von der Seite an mit einem irren Blick, aus dem ich nicht klug wurde, ob mein Freund ernst war oder ob er scherzte.
„Du bist aber anspruchsvoll,“ höhnte er ein wenig. „Ich habe noch nie Wunder vollbracht und kann natürlich nicht sofort mit dem Wunsch allein arbeiten. Vielleicht, wenn ich einmal Übung habe, wird das möglich sein. Jetzt aber kann ich noch nicht ohne Vorbereitung eine Wirkung versprechen. — Nun wollen wir eine Gedankenkette herstellen,“ fuhr er fort. „Sieh da, der Stein an der Terrassenbrüstung ist noch warm von der Sonne, die ihn vorhin beschienen hat.
Lege deine beiden Hände flach auf den warmen Stein. Ich werde dasselbe tun. Dann benützen wir die Erdkräfte. Aber du mußt stark mit mir wünschen, denn ich glaube, daß dein Wunsch nach Wundern, weil er zuerst entstand, der kräftigere ist. Ich glaube, daß dein Wunsch mich eher hinüberheben wird auf den Berg als der meinige.“
Wir taten, wie er gesagt hatte. Aber natürlich rührte sich sein Körper nicht von der Stelle, und ich war auch ganz froh darüber, denn es war alles schon so unheimlich, daß, wenn auch noch ein Wunder sich ereignet hätte, wir wahrscheinlich alle beide unseren Verstand verloren hätten.
Nachdem wir eine Weile über das Tal hinüber auf den Berg gestarrt hatten, brach ich zuerst das Schweigen, da ich sah, wie seine Hände zitterten. „Laß es doch gut sein,“ sagte ich. „Ich glaube jetzt, daß es keine Wunder gibt. Streng dich nicht weiter an.“