Da wurde er aber böse, fuhr mich heftig an und rief geärgert: „Eben habe ich mich fortbewegen wollen! Ich fühlte schon meine Hände zittern, ich fühlte schon, daß ich in die Luft aufsteigen würde. Wenn du aber ungeduldig bist und keinen Glauben in mich hast, dann allerdings sind keine Wunder möglich.“

Mir wurde immer banger um seinen Zustand, denn er begann wieder dieselben heftigen Bewegungen mit seinem Taschentuch. Da sagte ich zu ihm: „Ich will jetzt auf den Berg gehen und zeichnen. Wir können ja ein andermal einen neuen Versuch machen. Für heute finde ich es genug.“

Das Seltsame war geschehen, wir hatten unsere Naturen vertauscht. Ich hatte seine äußere Ruhe angenommen, und er trug meine Wunderbegierde zur Schau. Ich sprach fast wie ein Philosoph und er wie ein junger Dichtersmann, der Märchen in der Welt erleben möchte und Wunderbarkeiten, weil ihn die Dichtersehnsucht mehr zum Unwirklichen als zum Wirklichen lockt.

Ich nahm meine Zeichenmappe und den Bleistiftkasten, der auf der Terrassenbrüstung neben mir gelegen, an mich, setzte meinen Strohhut auf und ging langsam voraus. Ich fühlte, daß ich meinen Freund auf andere Gedanken bringen mußte, damit der Fieberzustand ihn verlassen könne.

Er folgte mir zögernd und immer das unheimliche Taschentuch zwischen den Fingern zerknitternd.

Und als ich ihm sagte, er solle seinen Hut nicht vergessen, erklärte er mir, er habe gar keinen Hut mitgebracht, damit die Elektrizität aus seinen Haaren ungehindert ausströmen könne.

Allmählich fing ich an, fast Verachtung für seinen Zustand zu empfinden. Dieser Wunderwahnwitz, der ihn ergriffen hatte, grenzte ans Lächerliche. Diese Wundersucht hatte es fertig gebracht, den jungen, sonst so gern unauffällig und schlicht daherkommenden Mann ganz zu verwandeln. Er war ohne Hut durch die Stadt aufs Land gewandert!

Eine Viertelstunde später saß ich unterhalb der Steinbrüche, die höher hinauf hinter dem Gutshof liegen, am Rande eines Akazienwäldchens, und ich zeichnete und plauderte von harmlosen Dingen, während mein Freund hinter meinem Rücken unstet umherging und kleine Steine aneinander und aufeinander klopfte. Das Gewitter, das am westlichen Himmel stand, grollte dort hinter einem Wald, immer näher herankommend.

„Hörst du,“ sagte der Unruhige, „das ist meine Elektrizität, die das Gewitter jetzt anziehen wird. Du wirst sehen, es wird sogleich über unsere Köpfe ziehen. Ich fühle, wie ich mit Elektrizität geladen bin.“

Ich ließ ihn reden, zeichnete ein wenig und sah mich dann erst nach dem Gewitter um. Aber als ich meinen Freund anblickte, erschrak ich. Er hatte sich die Stirnecken so heftig mit dem Taschentuch gerieben, daß seine sonst weiße Stirn zwei feuerrote Male zeigte. Er schien einen neuen Einfall bekommen zu haben und winkte mir.