Er hielt seine Krawattennadel in der Hand. Diese Nadel war ein Geschenk seiner Mutter. Es waren in Silber gefaßte Rheinkiesel daran, die stellten eine Rose dar. „Ich werde diese Rheinkiesel jetzt in Diamanten verwandeln,“ sagte er mit etwas geduckter Stimme, kicherte geheimnisvoll und setzte sich auf einen Feldstein.
Das Gewitter grollte jetzt dumpfer und näher. Der Himmel hatte sich verdunkelt, aber die Wolken waren noch nicht über uns angekommen.
„Ich fürchte für meinen Strohhut,“ sagte ich nachlässig, um abzulenken, und blickte zum Himmel.
Er meckerte wieder das mir so unangenehme Lachen, das er heute zum erstenmal mitgebracht hatte, und rief: „Jetzt ist der Augenblick da, wo ich dir beweisen will, daß ich ein Wunder wirken kann. Das Gewitter dort und die Elektrizität in mir treffen so günstig zusammen wie vielleicht niemals wieder. Wünsche nun mit mir, daß diese Glaskiesel sich in Diamanten verwandeln sollen.“
Ich sah ein, es war ihm nicht zu widersprechen. Ich gab ihm achselzuckend nach und wünschte, daß die Rheinkiesel, die er unausgesetzt mit seinem Taschentuch rieb, sich in Diamanten verwandeln möchten. „Du wirst sehen,“ sagte er eifrig, „dieses Mal wird ein Wunder geschehen.“
Ich wollte es gerne glauben. Da setzte er noch hinzu: „Du sollst dich nicht vor dem Gewitter fürchten. Ich habe die Macht, es abzulenken. Ich werde es nach der anderen Seite des Berges schicken.“
Im gleichen Augenblick blendete uns ein greller Blitz, den ich in den Augen meines Freundes sich widerspiegeln sah, und zugleich schien die Erde, wie lebendig geworden, sich zu schütteln und zu brüllen. Die Steine zitterten, und in den Büschen hinter uns sprang ein heulender Wind auf. Die dünnen Bäume des jungen Akazienwäldchens legten sich schräg und begannen alle laut zu pfeifen.
Mein Freund blieb bleich sitzen; er sah aus, als beleuchte der Blitz ihn noch immer. Und ich sprang fort und rief: „Wir werden hier erschlagen. Schnell fort!“
„Wie schade,“ rief er mir nach, „daß du dich so fürchtest! Das ist ja gar kein Gewitter. Das ist meine Schöpferkraft! Bleibe! Ich werde dir dann die Krawattennadel gleich verwandelt zeigen.“
Ich lief aber schon fort, während er das sagte. Und ich tat, als wären mir meine Zeichenmappe und auch mein neuer Strohhut im Augenblick wichtiger als die zweifelhafte Verwandlung der Krawattennadel. Denn es begann eben mit talergroßen Tropfen zu regnen.