Dazu rauchte das Öllicht so schrecklich, daß wir Kopfschmerzen bekamen und zu ersticken meinten. Wir waren noch zu ungöttlich für diese göttliche Armut, in die wir so plötzlich aufgenommen worden waren. Und der Körper, der immer langsamer als der Geist ist, wollte die Kasteiungen dieser Nacht nicht willig ertragen und wurde störrisch.

Ich hatte meine Taschenuhr neben dem Reisebündel, das mein Kopfkissen war, auf den Fußboden gelegt, aber in dieser Hütte schienen die Stunden nicht wandern zu wollen. Sie blieben hocken, und die Uhrzeiger vergaßen fortzurücken. In dieser Armut war ein ewiger Stillstand an Stelle der Zeit zu spüren.

So wie es kein Hausgerät gab, schien auch hier keine Uhr nötig zu sein. Die Nacht war eine einzige große Stunde und der Tag eine einzige große Stunde, die saß bei der Armut, auf dem leeren gestampften Erdboden, beharrlich zwischen den vier leeren Wänden der Hütte. Und deshalb war es gleich, was man in dieser Zeitlosigkeit erlebte.

Und da wir nicht schlafen konnten und einer den anderen sich in seinem Hüttenwinkel herumwälzen hörte, riefen wir uns zu, daß es vernünftiger wäre, in der Mondnacht weiterzureiten. Lieber wollten wir am Tage versuchen, ungeplagt von Rauch und Hühnerflöhen, auf einer weichen Wiese in frischer Luft zu schlafen und die Nachtruhe nachzuholen.

Die Hirten, die noch nicht ihr Lager aufgesucht hatten, staunten nicht, als wir im schönen Mondschein weiterreiten wollten. Nur unser Führer, der eben schlafen gehen wollte, brummte ein wenig.

Wir ritten um Mitternacht von der Hütte fort. Die schöne erfrischende Nacht machte uns eine Weile munter, aber das Mondlicht schläferte die Augen bald wieder ein. Und als wir das Steinfeld der untergegangenen Stadt verlassen hatten und unter Baumschatten an einem Bergabhang ritten, wußte ich bald nicht mehr, wie ich meine Augen vor Müdigkeit offen halten sollte.

Der Mond schien den Schlaf durch die Baumblätter zu schicken. Die weißen Milchflecken des Mondlichtes am Weg, durch die wir ritten, waren wie ein über uns ausgegossener Schlaftrunk. Und der Schlaf duftete aus den Büschen und sank aus den ruhenden Bäumen herab auf uns, und zeitweise fürchtete ich, vom Pferde zu fallen, denn der wiegende Gang des Tieres erhöhte die Schlaflust.

Wir hörten aus einer Schlucht herauf, an der wir entlang ritten, ein ununterbrochenes Rauschen. Ich wußte nicht, kam das Geräusch von einem Wasser oder vom Wind im Laub. Es war da im Finstern ein Lärm in einem Tal, der ununterbrochen neben uns lebte. Der Weg senkte sich mehr und mehr, und bald sah ich durch die Zweige ein breites Bachbett; das andere Ufer lag in Finsternis, unbeleuchtet vom Mond.

Das Wasser vor mir schien endlos breit zu sein. Das schnelle Wasser sprang über Felsenblöcke und zeigte viele buckelige Strudel, die im Mondlicht silberschäumend kreiselten.