Die Luft wurde immer frischer und feuchter, und dann stand mein Pferd still. Der Weg endete vor dem wilden Wasser. Der Führer, der hinter uns zurückgeblieben und wahrscheinlich auch im Gehen halb eingeschlafen war, kam auf mein Rufen herabgerannt und sagte, daß wir das Wasser durchqueren müßten.
Dann rief er durch die hohlen Hände über das Wasser hinüber: „Compatriot!“ Drüben sah ich bald Feuerschein aufleuchten, als wenn man die Türe eines im Innern brennenden Hauses öffnete.
„Dort ist eine Mühle,“ erklärte der Führer, „und die Müllerknechte werden uns hinüberholen.“
Es war nicht gerade behaglich, mitten in der Nacht durch ein angeschwollenes, unbekanntes Frühlingswasser reiten zu müssen, wenn man den Weg am Tage noch nie gesehen hatte.
Unsere Rufe waren beantwortet worden, und nachdem sich die Stimmen eine Weile gegenseitig, über das Wasserbrausen weg, zugeschrieen hatten, erschienen Männer im Mondschein, bis zu den Hüften mitten im Wasserschaum stehend, und sie winkten und schrieen von neuem.
Wir ritten vorwärts, den Pferden die Zügel freigebend, da die Tiere die Furt suchten und behutsam die unter den Schaumstrudeln liegenden Übergangssteine mit den Hufen fanden. Indessen schrieen die Müllerknechte, und die Felsen echoten, und die Wasserwirbel johlten und zischten betäubend. Es war als ritten wir durch einen überkochenden Hexenkessel.
An den mondhellen Stellen sah ich neben mir die rasende Flut vorbeischießen. Dann empfingen uns die Müllerknechte bei den tiefsten Strudeln und stemmten sich gegen die Pferde und schoben diese und uns, die wir mit hochgezogenen Beinen im Sattel saßen, da das Wasser bis an den Sattel reichte, durch die nächtige Wasserwildnis.
Drüben empfing uns die vorweltlichste Mühle. Die Mühlenhütte war niedrig, aus mächtigen Eichenstämmen roh zusammengefügt, und drinnen im einzigen Raum prasselte ein mächtiges Feuer und brannte lichterloh. Um die Flammen saßen Männer, die uns zunickten.
Diese Mühle mit dem brüllenden Wasser vor der Tür, am gestampften Boden das hochwallende prunkvolle Feuer darinnen, das mit ungeheurem Leben den Raum füllte, die alten verwitterten Müllerknechte, alles zusammen erinnerte mich mit einem Male an Odysseus Abenteuer bei den Zyklopen.
Die Nacht draußen unter der offenen Tür, mit dem hochgehängten Mond, mit der johlenden Wasserstimme, schien einer der einäugigen Zyklopen zu sein, der jeden Augenblick hereinkommen konnte, um am Feuer niederzusitzen und einen von uns Menschen, die wir hier als Gefährten des Odysseus Unterkunft nahmen, zu verzehren.