Wir wohnten von nun ab wieder in kleinen griechisch-europäischen Gasthäusern, wanderten in Tripolitza, dem gewerbetreibenden Provinzstädtchen, durch die lange Gasse der Leinwandhändler, durch die Gasse der Kupferschmiede, durch die Gasse der Töpfer und durch die Gasse der Seiler. Jede Gasse war von einem Handwerk bewohnt, und die Meister jeder Gasse, die da in ihren kleinen offenen Werkstätten arbeiteten, waren sich gute Nachbarn.

Sie saßen wie eine Gemeinde in ihrer Gasse, und jede Gasse hatte einen anderen Handwerkergott über sich, für den die Meister und Gesellen in Ehre und in Zucht arbeiteten, und der ihnen Käufer und tägliches Brot ins Haus schickte.

Hier lebten die Menschen für die Menschen, wie Würmer bei den Würmern. Ihre Arbeit adelte sie, ihre Herzen waren gut, aber sie waren lebensgeängstigter und lebensgeknechteter als die Herzen jener weltfernen Hirten in Arkadien, die sich mit der Mutter Erde begnügten ihr Leben lang und der Erde nichts gaben und ihr nichts nahmen als den menschlichen Herzschlag vom ersten Lebenstag bis zum letzten.

In bedürfnisloser Seligkeit waren die Hirten Arkadiens freie Männer in ihrer Armut, während die Handwerker in Tripolitza, die mit einem Auge nach den Käufern spähen mußten und die nur mit dem anderen bei der Arbeit blieben, in ihren Gassen nur mit halbem Herzschlag, nur mit halber Ruhe an der Erde saßen.

Mein Herz sehnte sich bald nach der feierlichen Armutsstille, nach der sorglosen Bedürfnislosigkeit Arkadiens zurück. Aber dann wurde es von großen Ruinen getröstet, die es auf der Weiterreise mit alter festlicher Vergangenheit unterhielten.

Bei dem Städtchen Nauplia, in dessen Nähe einst die alte Burg von Thyrinx gelegen, bestiegen wir die Reste der grimmigen Feste, deren Mauern aus so ungeheuren Felsblöcken gebildet sind, daß man heute noch nicht versteht, wie jene Zyklopenmauern haben entstehen können. Hier waren keine Säulen, keine schönbehauenen Bildwerke. Hier war nur die irdische Kraft, der Männer Trotz und der Männer Stärke vergangener Zeiten zu bewundern.

Und auch in Mykene, wo noch das Löwentor an der Burg des Agamemnon steht und die Grundmauern der Säle und Kammern auf leichter Anhöhe bei einer sonnigen sandigen Ebene lagen, war Trotz und Kraft in den Steinmauern, die von unendlichem Machtbewußtsein der Menschen sprachen, die zu allen Tagen sich untereinander das Leben abtrotzen mußten, und die sich immer leichter gegen die Elemente und gegen wilde Tiere wehren konnten als gegen das Raubtier Mensch.

Von Nauplia ritten wir in zwei Tagereisen nach Epidaurus hin und zurück. In einem lieblichen Hügelwinkel lagen noch die schönen weißen marmornen Mauern der Hallen und Säulengänge und die Badebecken des alten Heil- und Badeortes der Griechen. Der Gott der Ärzte, der Gott Äskulap, hatte hier seinen Weiheort, wo einst warme Quellen die Kranken Griechenlands herbeilockten.

Der kleine Bergwinkel war mit weißem Marmor bepflastert. Die Ruinen leuchteten, wie aus Schnee gebildet, unter dem jungen Grün vieler Bäume, die den Ruinenplatz umgaben.

Da waren noch die Wandelgänge für die Genesenden; die Säulen waren zwar umgestürzt, aber die Pflasterplatten noch gut erhalten. In den Nischen standen noch die marmornen Halbrundbänke, auf denen die Kranken geruht haben. Und jeder Bank gegenüber stand ein mächtiger Marmorsockel, darauf sich einst eine Bildergruppe aus Marmor befunden hat, deren Anblick die Sterbenden und die Genesenden erquicken konnte.