Jetzt sind es bald dreiundzwanzig Jahre, daß ich diese Erkenntnis mit mir trage. Aus meinen Wanderjahren wird jeder ersehen, wie schwer es mir war, mich an das neue Licht zu gewöhnen, und wie ich das Festlichkeitsgefühl noch nicht besaß, als ich es nur im Geiste aufgenommen hatte, und wie die Erkenntnis vom Fest des Lebens erst allmählich von meinem Körper Besitz ergriff. Mir war es zuerst, wie es Aladdin ergangen ist in jenem Märchen, als der Berg Sesam sich öffnete, und der junge Mann die Haufen von kopfgroßen Edelsteinen vor sich im Dunkeln leuchten sah. Ich wußte nicht, wo ich zuerst zugreifen sollte, bis die Weltanschauung selbst von mir Besitz nahm.
Die da glauben, der Mensch allein führe ein inneres Leben, nur er sei fühlend, nur er sei klug und gerecht, denen erwächst ein Stolz, der blind und unzugänglich gegen die anderen Leben im Weltall macht. Wer sich dünkt, mehr und besser zu sein, edler als die Tiere und die Pflanzen und die Erde und alle Dinge, weil er ein Mensch ist, dieser Mensch hat dadurch, daß er so denkt, den Anschluß an die Welt und an sich selbst an seinen eigenen Urzustand eingebüßt.
Als Kinder haben wir den Anschluß an die Welt unbewußt mitgebracht. Aber mit zu kurzem Weltverstehen schneiden wir später den Anschluß ab an unsere eigene angeborene Ewigkeit, den Anschluß an die angeborene Weltallfestlichkeit, den feierlichen Anschluß zum Verständnis aller Leben, die außerhalb der Menschheit liegen.
Nichts weiter als den uns angeborenen und nur zeitweise verloren gegangenen Anschluß an das Weltall, an des Weltalls festliches Leben, will ich mit meinem „Gedankengut aus meinen Wanderjahren“ in den Lesern dieses Buches erwecken und ins Bewußtsein zurückrufen.
In den siebzig Tagen und Nächten, während ich das Zimmer nicht verlassen konnte und ich dieses Buch bedacht und geschrieben habe, kam täglich nach Sonnenuntergang der Venusstern, der in diesem Winter ungewöhnlich stark leuchtend war, in das dunkle Fensterviereck meines Zimmers. Der Stern hat mit seinem begeisterten Licht treu zu meinen Gedanken gehalten und mir Kraft und Ausdauer gegeben, sie niederzuschreiben. Der Stern stand wie ein geschliffener Stein im Dunkeln, funkelnd wie das Ziel meiner Gedanken.
Ich stelle mir vor, ich hätte den blitzenden Punkt in einen Ring fassen können und hätte diesen der Frau an den Finger gesteckt, die mit ihrem Leben mein Herz in der Hand hält, dann würde sie nun ans Ende der letzten Zeile dieses Buches den Ringstein, den Venusstern, als Siegel aufdrücken, als Bestätigung der erlebten Wahrheiten meiner Worte.