Nachdem der junge Sun so gesprochen, richtete er sich auf und schritt aus der Hütte und band sein Boot von dem Altan los und ruderte auf den See in die Nacht hinaus. Der Mönch und das Volk verstanden nun, daß Sun sie freiwillig und für immer verlassen hatte.
Und wie die Leute noch staunten und Suns Ruderschlägen nachhorchten, die draußen in der Nacht vom See hereinhallten, da sprang aus der dunklen Herdecke ein junges Mädchen hervor. Das drängte sich zwischen den Leuten durch und sprang aus der Hütte. Und alles Volk rief den Namen des Mädchens. Und die Leute schrien auf, weil das Mädchen in den See gesprungen war und nun dem fortrudernden jungen Manne nachschwamm.
Aber der Vater des Mädchens stürzte aufgeregt auf den Altan hinaus und rief zornig seine Tochter zurück. Doch nur das Echo der Berge antwortete ihren Namen. Das Mädchen kehrte nicht um und folgte dem Ausgestoßenen. Da hob der Vater beide Fäuste in die Luft und verfluchte sein Kind und schleuderte hinter den Fliehenden her laut Fluch um Fluch durch die Nacht.
Der Schauplatz des zweiten Teiles des Dramas ist dann ein Platz im Urwald, in derselben Sommernacht. Im Wald leuchten ein paar verfaulte Riesenstämme phosphorfarben, und Scharen von Leuchtkäfern ziehen durch die dunklen Büsche. Ein wenig Mond scheint durch die Baumwipfel, und Sun und das Mädchen tasten flüchtend vorwärts. Das Mädchen ist scheu geworden im unheimlichen Dunkel des Waldes, und als Sun auf eine Eiche steigt, um beim Mondschein über den Wald fortzusehen und zu erfahren, ob sie verfolgt werden, steht es zitternd und angstvoll bei der Wurzel des Baumes. Der junge Mann, als er keine Verfolger sieht, deutet oben in der Eiche auf die Sterne und auf den Mond und fragt hinunter, ob seine Geliebte den Gesang der Sterne höre und das Lied der Mondnacht.
Das Mädchen aber hört in seinen Ohren nur die wilden und drohenden Flüche, die sein Vater ihr nachgeschleudert, und es hört im Walde überall die Stimme seines Vaters. Als Sun von der Eiche steigt und den Arm um die Geliebte legen will und sie zu sich ins Moos ziehen will, da wehrt sich diese und flieht einige Schritte von ihm fort. Sie glaubt ihren Vater hinter jedem Busch zu hören, überall ist sein Fluchen.
Da überredet Sun die Furchtsame nicht länger, und er sagt nur, sie solle sich bei der Birke niedersetzen. Er wolle dann, einige Schritte von ihr entfernt, sich niederlegen, und er wolle ihr erzählen, damit sie sich nicht mehr fürchte.
Das Mädchen aber hört immer deutlicher die Flüche und des Vaters Stimme. Es wird immer unruhiger, und immer mehr Zweifel tauchen in ihm auf, ob Sun nicht doch ein Zauberer sei. Und als sich die Zweifel in ihm immer mehren, hört es des Vaters Stimme lauter und verdammender und hört dazwischen des Mönches Stimme aus allen Büschen. Angstgepeinigt springt die Erschrockene auf und stürzt, den Skalden verdammend, zurück auf dem Weg den sie gekommen, zurück zu den andern.
Sun aber glaubt nicht gleich an die Flucht des Mädchens. Doch als er am Morgen den Platz leer findet und das Gras noch warm findet, wo die Geliebte vorher geruht, ruft er und ruft. Aber er scheucht nur das Wild im Walde auf. Als sein Herz dann bitter klagt, taucht die rote Scheibe der Morgensonne in der Ferne bei den Wurzeln der Eichen auf, und der Gesang der Morgensonne und der Gesang der Amsel versuchen Sun zu trösten.
Er horcht und wird ernst und stark, und die Eichenstämme im Morgenwind singen, und Sun gehorcht den Eichen und macht sich hart wie ihre Stämme. Dann singt er vor sich hin, daß er die Eichen verstanden habe, daß er, der Skalde, ewig einsam sein müsse, einsam wie die Eichen im Urwald. Und er geht aufrecht weiter in den Urwald und kehrt nicht mehr zu seiner Sippe zurück. —