Und wie wäre es einfach, wenn neben den Kasernen oder in den Regierungsgebäuden in unseren Kolonien, die doch auch vom deutschen Volk bezahlt werden, ein Unterkunfthaus, eine Herberge für Gelehrte, Künstler und Dichter vom Staat eingerichtet würde! Welche Unsummen werden vom deutschen Volk an Beamte aller Art verwendet! Welche Unsummen für Kasernen und Schiffe! Es würde bei den Millionen, die dafür ausgegeben werden, nicht darauf ankommen, wenn der Staat den jungen Künstlern des Landes auf den Panzerschiffen freie Fahrt und in den Kolonien Unterkunftshäuser mit freiem Aufenthalt zum Studium der fremden Länder gewähren würde.
Und es würde auch nicht große Summe kosten, ein Taschengeld, ähnlich einem Beamtensold, den Studierenden zu jenen Reisen mitzugeben. Man dürfte aber nichts von ihnen fordern und nichts von ihnen erwarten nach dieser Reise. Man müßte ihnen Vertrauen und Glauben schenken, daß das, was man für sie täte, sich zum Vorteil für das Vaterland erweisen würde.
Denn manche Künstler, die gereist sind, konnten aus der Ferne nichts mit nach Hause bringen als ein gründliches Heimweh und ein echtes und tiefes Heimatserkennen. Es ist genug, wenn nur dieses erreicht wird, daß einer, indem er den richtigen Abstand von der Heimat bekommen hat und beim Vergleich mit anderen Völkern, die er besuchte, seine Heimat aufrichtig beurteilen lernte, durchdrungen wird vom Bewußtsein, daß niemals äußere Schönheit ferner Weltteile dem echten Mann die Heimatsscholle ersetzen kann. Ein Volk, das sich solch echte Heimatkünstler züchtet, tut sich selbst wohl, indem es immer den Dank und die Gedanken dieser Künstler an sich fesseln wird. Und die Werke dieser weitgewanderten Künstler werden tiefe, nutzvolle Arbeiten werden, da sie dann aus tiefen Heimwehlebensströmen geschöpft sind.
Während jetzt viele der jungen Künstlerkräfte aus Lebenshunger das Nachtleben der Großstädte und in ihrer Armut und Ratlosigkeit das Herumsitzen in Kaffeehäusern pflegen müssen, um wenigstens vor den Schaufenstern des Weltlebens zu bleiben, da ihre Geldmittel nicht zum Einhandeln großer Welteindrücke reichen, so würden dagegen freie Kriegsschiffsreisen die jungen Künstler reich befruchten können.
Man soll nicht spotten über die Kaffeehauspoeten der heutigen Zeit, die sich meistens aus jungen heranwachsenden, dichtenden Lebensanbetern zusammensetzen. Man soll helfen, statt zu spotten. Das Volk, jede Nation hat die Pflicht zu helfen. So gut wie ein Land seine Landesgrenzen erweitert, indem es ferne Kolonien gründet, im selben Verhältnis muß es auch die Weltblicke derer erweitern, die berufen sind, das Leben künstlerisch festzuhalten in allen Zeitläuften. Denn nur die Künstler können die fernen Länder dem Heimatland innerlich nahebringen.
Es sollten auch die Staatseisenbahnen allen angehenden jungen Künstlern, Gelehrten und Dichtern freie Fahrt durch ganz Deutschland geben, und ebenso sollten die Nationen untereinander den Künstlern diese freie Fahrt durch alle Länder ermöglichen.
Die schwedische Nation hat durch einen Schweden, der den Nobelpreis stiftete, die Bewunderung ganz Europas geerntet. Dieses Volk geht auch in der freien Eisenbahnreise der Künstler den Kulturvölkern mit großem Beispiel voran. Die stockholmer Eisenbahnverwaltung erteilt jedes Jahr einigen Künstlern, inländischen wie ausländischen, freie Reise erster Klasse vom südlichsten bis zum nördlichsten Grenzpunkt in Schweden. Ich selbst erhielt vor einigen Jahren für mich und meine Frau auf Anfragen diese freie Fahrt durch ganz Schweden, und ich weiß, daß freies Reisen auch anderen deutschen Schriftstellern gewährt wurde.
Warum ist die deutsche Nation sich nur ihrer Pflicht bewußt, ihre Minister, ihre Offiziere, ihre Geistlichen besolden zu müssen? Warum ist dieselbe Nation sich nicht ihrer Pflicht bewußt, ihre Künstler besolden zu müssen, die neue Seelenwerte hinterlassen? Neue Seelenwerte schaffen die Geistlichen, die immer wieder die Bibel erklären, nie, und die Geistlichen erhalten doch Besoldung und Pfarrhäuser vom Staat.
Die Städte, die einen Künstler geboren haben, sollten es als eine Ehre ansehen — wenn sie es nicht als Pflicht betrachten — dem Künstler, der die Erdscholle, der den Menschenstamm, aus der er hervorgeht, in seinen Werken verherrlichen wird, Haus und Garten zu bauen und ihn zu erhalten.
So wie die Städte Kasernen, Kirchen, Spitäler, Rathaus, Post, Bahnhof bauen können und sich Parke, Theater, Konzertsäle hinstellen, so sollten die Städte doch zuerst bei dem jungen Künstler Heimatschutz und Heimatsorge anwenden, der bei ihnen durch seine Geburt Heimatrecht erlangt hat.