Birnen und Trauben schmatzend und tote Vögel zerkauend, kamen die Zwerge nach einer Weile aus dem Keller vorsichtig hervorgekrochen. Sie zupften die umgefallene Generalin am Ohr und an der Nase und schleiften sie, mutig geworden, weil sie sich nicht rührte, am Mantel und an den Schalzipfeln den Garten hinunter an den See, wo sie sie unter Gekicher von der Landungsbrücke ins Wasser stießen.
Die Tochter des Briefträgers im Kahn hatte die Risse im Mond zusammengenäht und gab die Mondscheibe frei, die aus ihrem Schoß fort an den Himmel hinaufschwebte, wo sie im Zenit stehen blieb, und wo sie nun die Seelandschaft mit ihrem Licht wieder verklärend beleuchtete. Das Mädchen selbst aber sprang aus dem Boot, nachdem sie zu mir noch gesagt hatte: ›Mein Vater ruft mich. Er darf mich nicht bei Ihnen finden. Dann sind Sie des Todes.‹ Dann war sie leicht über das Wasser fortgelaufen, als wäre der See eine Glasplatte, und sie kam heil an das Ufer, wo sie ihrem Hause zueilte.
Ich aber wollte nicht mehr nach Limone zurück. Ich hatte genug von dem abenteuerlichen Aufenthalt und wollte noch in der Nacht nach Torbole rudern. Da glitt das Scheinwerferschiff an mir vorbei, und mit dem verzweifelten Schrei: ›Nehmen Sie mich auf!‹ sprang Ulrike vom Boot herunter zu mir in den Kahn. Dann ruderte ich aus Leibeskräften und schloß die Augen und ruderte, nur von dem Gedanken der Flucht angetrieben.
Ulrike aber hing mir an meinem Halse während ich ruderte, und die junge Dame flehte mich an, sie zu ihrem Bräutigam nach Freiburg zu rudern, da sie gewiß nie mehr einen anderen Mann ansehen wollte als ihn und kein Unglück mehr suchen wollte, sondern das Glück der Ehe, soweit das einem Iguanodon möglich sei.«
Also hatte ich gefabelt.
Ulrike, die längst ein Taschentuch vor den Mund gehalten und öfters während meiner Erzählung wiehernd aufgelacht hatte, stöhnte jetzt:
»Uff, uff, Sie haben recht. Ich werde heute noch nach Freiburg abreisen, um nicht all das Unglück anzustiften, das Sie mit solcher Wollust auf den Kaffeetisch malen. Es ist nur so schade, daß ich allein reisen soll, und daß ich Sie beide in dem stimmungsvollen Weltwinkel hier zurücklassen soll, während ich vor meiner Iguanodonseele fliehen muß.«
»Daß Sie mich aber auf so schreckliche Weise umbringen lassen! Ich soll im Wasser umkommen, nachdem ich meinen ertrunken geglaubten Mann wiedergesehen habe! Was habe ich Ihnen getan, daß Sie mir ein so fürchterliches Schicksal ausdenken?« rief die Generalin, ihr Unglück genießend, aus.
»Sie haben nichts getan, als daß Sie sich immer in Ihrem Innersten dramatische Schicksale gewünscht haben. Sie dramatisieren mit Ihrer Sehnsucht zum Unglück Ihr eigenes Schicksal, da Sie Angst haben, daß es sich sonst friedlich wie ein Idyll entwickeln könnte,« antwortete ich ihr.