Der Papst hob das Giftfläschchen, das zugleich mit dem großen Ring am Daumen seiner Hand funkelte, wieder ans Licht.
Die Allmacht dieses Siegelringes zuckte mir zu gleicher Zeit mit dem Schiller des Giftfläschchens entgegen. Ich verstand nicht sogleich, daß diese Geste des Papstes mir meine schöne unschuldige Insel Koster beleidigen wollte.
»Menschliches Gift kann lange im Verborgenen leben,« sagte der alte Mann mit den blassen Wangen, mit dem blassen Kinn, mit der blassen Nase und mit den blassen Augen, die mir plötzlich unheimlich lebensmüde aus dem dunkelgrünen schwülen Palmengarten entgegenleuchteten.
»Lieber Dichter, habt Ihr nicht dieses Gift, wie Ihr erzählet, von jener Barbareninsel gebracht?« tönte es ironisch von seinen blassen Lippen.
»Ja,« sagte ich eifrig, meine Insel Koster verteidigend. »Das Gift kam von der Welt dorthin. Aber jetzt ist kein Gifttropfen mehr dort. Ich habe alles Gift Eurer Heiligkeit gebracht, direkt nach einer Sechzigstundenfahrt, und das Giftfläschchen gleich übergeben, damit Eure Heiligkeit es aus der Welt schaffen.«
»Mein Lieber,« sagte die weiße Figur vor mir, die da unter dem blauen römischen Himmel im Garten zugleich mit dem Kardinal von dem Stühlchen aufstand, und deren weiße Lippen tief Atem holten, als wollten sie mir eine tiefe Wahrheit sagen, und ich dachte schon vorschnell:
Seine Heiligkeit wird sagen: nichts kann das Gift der Welt aus der Welt schaffen, nicht der Papst, nicht der Dichter, nicht die Christen, nicht die Heiden. Und ich dachte, daß ich mit dieser großen Weisheit dann entlassen würde.
Aber nein, — Pius reichte mir nur die Hand, die das Giftfläschchen hielt, zum Abschiedskuß, und mit den Augen auf das Fläschchen deutend:
»Mein Lieber, wir werden es zu den andern stellen.« — — —
»Wenn das nur nicht großes Unglück anstiftet,« sagte später die Frau, die ich liebe, zu mir. »Das kann nicht gut sein, wenn man im Vatikan ein Giftfläschchen zum andern stellt. Der Kapitän auf Koster, der dreißig Jahre das Fläschchen aufbewahrt hatte, ist ganz wild davon geworden, und die Leute nannten ihn schließlich einen Heiden. Wenn nur nicht der ganze Vatikan von dem Kostergift wild wird!«