Ah, dachte ich. Dem Papst geht es jetzt wie dem Heiden auf Koster. Der Kapitän hat das Fläschchen auch nicht mehr hergegeben, als er es einmal zwischen den Fingern hatte. Und obwohl ich vom Allerschönsten, was es auf der Welt gab, eben hatte erzählen wollen, hatte der Papst nicht zugehört, sondern immer an das Gift denken müssen.
Der Kardinal kam mir zuvor und beantwortete die Fragen, die das Gift betrafen, und ich bewunderte dabei des Kardinals scharfes Gedächtnis, der alles genau behalten hatte, was ich ihm über das Giftfläschchen vorher mitgeteilt hatte.
»Was gibt es Schöneres in der Welt als Rom,« fragte der Papst, schwärmerisch durch das Giftfläschchen den römischen Himmel betrachtend.
»Die Insel Koster,« sagte ich prompt. »Dort würden Eure Heiligkeit sich einmal recht von allem Glockengeläute erholen.«
Auch der Kardinal ließ sich jetzt von der Schweizer Wache, die auf seinen Wink herbei eilte, ein Stühlchen unterschieben.
Da saßen sie nun vor mir in dem Taxusheckengang, Seine milde Heiligkeit im weißen fleckenlosen Gewand und der Kardinal im Scharlachkleid.
Wenn jetzt nur die Frau, die ich liebe, und die ich auf Koster singend beim Kofferpacken zurückgelassen habe, aus der Taxushecke käme! Nur sie könnte mir jetzt aus der peinlichen Verlegenheit helfen, dachte ich. Denn dieses mit dem Glockengeläute habe ich verkehrt gesagt, das sah ich den beiden Italienern an den gelben Gesichtern an.
»Die Insel Koster, trotzdem sie keine Kirche und keine Glocken hat,« fuhr ich fort und eilte mich mit den Worten, um mich bei den Italienern wieder in Gunst zu reden, »diese Insel Koster ist nämlich heute noch der unschuldigste Platz der Welt. Dort gab es noch nie eine Lüge, nie einen Diebstahl, nie einen Mord; nie mußte dort jemals das Gericht einschreiten und keine Polizei. Die Menschen dort sind noch die reinsten unschuldigsten Heiden,« platzte ich heraus, weil mich die hochmütigen Gesichter der römischen Herren ärgerten.
Meine Worte mußten sehr gut gewirkt haben, denn Seine Heiligkeit lächelte Seine Eminenz an, und Seine Eminenz lächelte Seine Heiligkeit an. Und diese Lächeln gingen miteinander über die Taxushecken, über die Palmen und über die weißen Geländer der Terrassen des vatikanischen Gartens, versöhnlich hinauf bis in den üppigen blauen römischen Himmel.