»Ach was! Man hat nicht mich mit dir geschickt. Sondern du bist von mir und uns allen ausersehen worden, mich nach München zu bringen,« behauptete die Abgesandte hinter Häcksels Ohr.
»Ich gehe meinethalben und nicht deinethalben, nicht in Flohangelegenheiten, sondern in meinen gesunden Todesangelegenheiten gehe ich nach München,« meinte Häcksel störrisch, als eben das Morgenlicht aus den Waldbäumen grell auf seine Nase schien. »Licht und Lärm kommen immer zusammen,« fügte er mürrisch und gereizt hinzu. »Wenn ich nun aber umkehre?« setzte er fort. »Was dann?«
»Dann lassen wir dir irgend etwas Schlechtes geschehen. Unsere Art zu erhalten, dazu ist uns kein Ausweg zu ungeheuer. Und ein Menschenleben ist noch lange kein Flohleben wert, noch dazu ein so wackeliges Menschenleben wie deines, das nur noch an einem Faden, sagen wir lieber, nur noch an einem Fädchen hängt.«
»Ich wußte es ja,« schmunzelte Häcksel plötzlich aufgeräumt. »Ich sterbe bald. Ich habe es auch nur deshalb so eilig, weil ich die alten Gulden umwechseln will, um Geld zu einem schönen Begräbnis bereit zu haben.«
»Den Glauben will ich dir gern lassen,« meinte die Flöhin zweideutig.
»Wie meinst du das?« fuhr Häcksel auf. »Werde ich am Ende doch nicht bald sterben? Oder werde ich das Geld am Ende gar nicht zum Begräbnis verwenden dürfen?«
»Das kommt darauf an. Versprechungen oder gar Belehrungen teilen wir Flöhe eigentlich selten aus. Wir denken zuerst an uns. Und da du als Mensch in unserer Flohgewalt bist, mußt du gehorchen.«
»Hoho!« hustete Häcksel und hustete sich blaurot vor Eifer. »Ich bin in niemandes Gewalt. Ich bin ein freier Bergwerkarbeiter. Nicht mal der Grubenherr hat mir außerhalb des Bergwerkes etwas zu sagen. Heutzutage herrscht Freiheit im Arbeitervolk. Wir sind keine altmodischen Knechte mehr.«
»Daß ich nicht lach,« kicherte Zinnoberchen und ließ das schaukelnde Schläfenhaar los, sprang zurück und biß herzhaft dem Häcksel in das linke Ohrwatschel, so daß ein Blutstropfen, groß wie der dickste Floh, dem Burschen aus der Haut quoll.