Die Flöhin sprang bei der Erschütterung aus dem Haar fort und rasch hinter Häcksels Ohr, kam aber gleich wieder zurück, unerschrocken, und hing sich wieder fest an das Schläfenhaar und schaukelte weiter.

Der wilde Gedanke schoß aber in Häcksel kreuz und quer und rief:

»Vielleicht ist dir deshalb heute ein Bergwerkfloh zum erstenmal ans Tageslicht gefolgt, weil es heute in der Grube ein Unglück gibt. Denn man sagt, die Bergwerkflöhe verlassen nur dann die tiefen Stollen, wenn sie schlagende Wetter vorauswittern.«

Dieses wußte Häcksel aus dem Munde seines seligen, außerehelichen Vaters.

»Nein, nein und nochmals nein,« antwortete aber darauf das linke Ohr, das von Zinnoberchen beraten war. »Es ist eine höhere Notwendigkeit, warum ich das Bergwerk heute verließ.«

»Eine höhere Notwendigkeit?« echote es in Häcksel erstaunt.

»Jawohl,« rief die Flöhin auf Häcksels Kopf von links. »Daß ich heute reise, geschieht aus allerhöchster Notwendigkeit. Ich bin eine Abgesandte. Ich muß Flohmänner ins Bergwerk herbeiholen, frische kräftige gesunde starke Flohkerle.«

»Warum ist Stänker, mein Leibfloh, zu diesem Auftrag nicht gut genug gewesen,« fragte Häcksel ein wenig verletzt die Flöhin.

»Hat man je gehört, daß ein Flohkerl so reizend ist, daß seinetwegen andere Flohkerle einen Sprung machen? Es muß schon eine Flöhin kommen, wenn Flohmänner sich holen lassen sollen.«

»Und da hat man dich also, die Zarteste, mit mir nach München geschickt?«