»Ah,« sagte Häcksel zu sich, »Zinnoberchen hat meinen Entschluß gehört! Vielleicht habe ich laut vor mich hingesprochen im Bergwerk unten? Zinnoberchen will mit nach München.«
»Ja, das will ich,« gab der fröhlich hüpfende Floh durch Tanzlaute auf der Mütze kund.
In der Nacht noch band sich Häcksel die alte Geldtasche voll Silbergulden um den Leib. Ehe das Tageslicht kam, setzte er seine Mütze auf, auf der der Floh Sprünge machte, die, wenn man sie in Töne umgesetzt hätte, Juchzer gewesen wären.
Der Bursch ging durch den Wald zur nächsten Bahnstation. Es war Sonntagmorgen, und er wollte nicht vom Bahnhof des Heimatortes abreisen, damit man seine Reise nicht bemerken sollte. Am nächsten Tag wollte Häcksel wieder zurückkehren und wollte eine Ausrede gebrauchen. Er wollte sich im Bergwerk entschuldigen und sagen, er habe sich zwei Tage im Walde verirrt und verlaufen.
Der Floh, den morgens im kalten Februarwald fror, setzte sich hinter Häcksels linke Ohrmuschel unter das warme Haar des Burschen und betrachtete von dort die Gegend. Bald merkte Häcksel, daß alle Gedanken, die er im linken Ohr hörte, ihm von Zinnoberchen eingegeben waren, und nur die Gedanken im rechten Ohr waren seine eigenen. So schritt er mit den zweierlei Gedanken wie im Frage- und Antwortspiel über den holprigen Waldweg, wo der Schnee getaut war und fast laues Vorfrühlingswetter herrschte.
»Ich bin der erste Bergwerkfloh der Welt, der an das Tageslicht kommt,« sagte Zinnoberchen zum linken Ohre Häcksels.
»Nun weiß ich, warum ich so zufrieden bin,« meinte das rechte Ohr zum linken Ohr, »weil ich Bergwerkgesellschaft habe am hellen Tag.«
Zinnoberchen hing sich an einem Schläfenhaar fest und schaukelte an diesem Haar im Winde hin und her, denn es war ihm kreuzwohl.
Plötzlich aber fuhr dem Häcksel ein schrecklicher Gedanke durch das rechte Ohr, und fuhr ihm vom Ohr in Hals und Brust, so daß er heftig und schmerzhaft husten mußte.