Inzwischen flüsterte ihm dieser heimlich ins Ohr: »Ich heiße Ida Fliegenhitzer. Willst mit? Dann bist gern eingeladen!«
Der Häcksel war zwar ein schwachbrüstiger, sonst aber ein ganz schmucker Bursch. Wenn er nicht die Schwindsucht gehabt hätte, wäre er eine Männerschönheit gewesen. Es fehlte ihm nichts als rote Backen und ein Brustkasten.
Eine wunderschöne Stadt, diese Stadt München! Die Männer verwandeln sich in Weiber, sogar wenn sie vorher Andreas Hofer geheißen haben und einen schwarzen Backenbart besitzen.
Also ging Häcksel mit der Ida Fliegenhitzer in ein Bräu, nachdem sie ihm vorher gezeigt hatte, daß ihr Bart nicht angewachsen war. In dem Brauhaus war es noch erstaunlicher als auf der Straße.
Im Gedräng erschien dort plötzlich ein Mann mit goldener Krone auf dem Kopf, das war der König, und er hatte auch einen roten Mantel und ein goldenes Zepter. Der nahm augenblicklich dem Häcksel die Andreas Hofer vor der Nase weg und hob sie auf seine Schulter und trug sie davon.
Der Häcksel staunte schon bald über gar nichts mehr, auch nicht, als er sich ein Glas Bier bestellte und es ihm von einem vorübertanzenden Neger mitgenommen und ausgetrunken wurde.
In der Straßenbahn war der Bergmann im Gedräng mitgefahren, ohne zu bezahlen; im Kino hatte er das einzige Zehnmarkstück, das er bei sich hatte, aus der Hand verloren oder hatte es dem Andreas Hofer in den Schoß fallen lassen; er wußte es nicht mehr genau. Er wußte nur, daß er plötzlich kein Geld hatte als die ungewechselten altmodischen Silbergulden. Als ihm das Bier ausgetrunken wurde, bezahlte er es nicht, sondern drückte sich heimlich auf die Straße zurück.
Dabei fühlte Häcksel plötzlich, daß ihm viel Leben in die Kleider gekommen war. Denn die Bergwerkflöhin hatte überall im Gedräng Flohgenossen gewittert und diese laut zu sich eingeladen, und die Neuangekommenen untersuchten nun das Vieh, das die Flöhin ritt, um sich zu entscheiden, ob diese Menschenart ihnen zusagte, ehe sie einwilligen wollten, die Reise nach dem Bergwerk mitanzutreten.
Das Zinnoberchen lobte Häcksels Blut über alle Maßen. Es wäre besonders süß, sagte sie, da der Bursch immer Fieber habe, und deshalb sei sein Blut immer um einiges wärmer, als Menschenblut sonst ist.
Die Flöhe aber waren alle zimperliche verwöhnte Stadtherren und fanden gar keinen Gefallen an Häcksel. Sie nahmen sich vor, einer nach dem andern wieder im Gedränge abzuspringen und die Bergwerkflöhin mit ihrem Menschenvieh allein zu lassen, denn sie fanden sein Blut matt und abgestanden. Trotz der Ohrfeige, die, wie die Flöhin ihnen versicherte, das Vieh eben bekommen habe, fanden sie das Bergmannblut nicht süß, sondern säuerlich. Ein älterer Flohherr gab der Bergwerkflöhin noch rasch einen guten Rat, ehe er zum Absprung ansetzte. Sie müsse den Menschenkerl in ein Haftlokal bringen, dort wäre manchmal eine Zufuhr von frischen Arbeiter- und Kroatenflöhen vorrätig. Diese könnten dem Bergwerk gut zur Auffrischung der Lebenslust dienen.