Der Mann stand in einem langen grünen Rock vor der hellerleuchteten Türe, und viele goldene Knöpfe glänzten an ihm und goldene Tressen.

»Ach, Herr Wirt,« grüßte Häcksel den Türwächter des Kinotheaters, das er für ein Wirtshaus hielt, »kann ich hier ein Glas Bier trinken.«

»Natürlich,« nickte der, »Bier gibt es auch in den Zwischenpausen.«

Dann mußte Häcksel an einer Kasse einen Platz für das Biertrinken bezahlen und kam in einen dunkeln Saal, wo man mit dem Licht sparte. Das kam ihm seltsam vor. Im dunkeln Saal war nur eine helle Wand, durch die sah man hinaus auf eine lebendige Welt.

Häcksel dachte: Die Leute sitzen hier wie in der Kirche, und die Dunkelheit ist gruselig, vielleicht ist das das Jüngste Gericht. Denn alle Anwesenden waren totenstill und alle sahen auf Schattenmenschen, die auf einer Wand erschienen und zitternd in einem Lichtstrahl vorüberliefen, lautlos und ohne Stimme, und dazu ertönte von unsichtbaren Musikanten eine Musik. Aber Häcksel nahm sich vor, lieber auch auf das Glas Bier zu verzichten, als sich dem totstillen Jüngsten Gericht auszuliefern und einzugestehen, daß er einen Gurt voll unrechtmäßig erworbener Silbergulden bei sich habe.

Er drehte sich rasch entschlossen auf dem Absatz um und lief wieder auf die Straße hinaus.

Da kam ein erleuchteter langer Straßenbahnwagen gefahren, und Häcksel sah, daß viele Leute dort in den Wagen einstiegen. Und allen Leuten glitzerten bunte Kleider unter den Mänteln, und alle trugen bunte Mützen, und die Frauen hatten Kapuzen überm Kopf, und alle kicherten und lachten und kreischten, und sie waren so vergnügt, als ob sie in den Himmel führen.

Und Häcksel drängte auch mit in den Wagen, und als das Gefährt sich bewegte, begann er zu schwanken und fiel auf den Schoß eines Mannes, der hatte einen pechschwarzen Backenbart um ein rosiges Gesicht hängen. Und er hatte einen breiten Leibgurt und war in tiroler Tracht gekleidet, und auf dem Gurt stand mit silbernen Fäden gestickt: »Andreas Hofer«.

Daß das der Andreas Hofer selbst war, glaubte Häcksel nicht. Er müßte höchstens dann von den Toten auferstanden sein. Aber es war vielleicht ein Verwandter von Andreas Hofer, der den Gurt geerbt hatte, meinte der Bergmann. Und wie er noch ganz verblüfft dem Andreas Hofer im Schoß saß, schien ihm der Mann so anziehend, als wenn er gar kein Mann, sondern eine Frau wäre. Und er blieb ruhig sitzen, wo er warm und weich saß, weil gar kein Platz im Wagen war als auf dem Schoß von Andreas Hofer.