»Was zeigen?« fragte Häcksel.

»Geld zeigen,« schnauzte ihn die Königin der Nacht barsch an.

»Niemals,« gab der Verwirrte zurück. »Das ist mein Begräbnisgeld, das verausgabe ich nicht fürs Tanzen. Das gäb ich auch nicht dem Teufel!«

»Was, du Aff, du blöder,« kreischte ihn das Frauenzimmer an. »Von mir aus kannst du dich auf dem Mist begraben lassen!« Und da sie von fern den Schritt eines Schutzmannes hörte, gab das Frauenzimmer dem Häcksel eine sausende Ohrfeige und sprang in die Nacht davon.

Dieser Backenstreich hatte das Gute, daß er den Burschen wärmer machte, als wenn er einen Kognak bekommen hätte. Und ganz wach geworden, begann auch er zu laufen, so rasch er konnte, dorthin, wo am Ende der dunklen Neubautenstraße der Nachthimmel heller leuchtete, und wo ihm Leben zu sein schien, das ihn lockte.

»Danke Ihnen!« hatte Zinnoberchen dem Vielliebchen noch nachgerufen, als sie spürte, wie ihr Menschenvieh wieder flott weitertrabte. Sie hatte, während Häcksel sich mit Hilfe des Mädchens aufgerafft hatte, allerhand Ratschläge von der Flöhin erhalten, besonders nachdem sie berichtet hatte, welches ihr Reisezweck war. »Sie müssen Ihren Kerl in ein Haftlokal lenken,« hatte ihr die kluge Stadtflöhin noch zuletzt geraten. »Dort wimmelt es von allerhand Möglichkeiten, Flohmännerbekanntschaften zu schließen.« Dann hatte sie ihrem Menschenvieh ins Ohr geschrien: »Haue ihm eine Ohrfeige hin.« Was auch geschah. Also ermuntert von dem guten Einfall Vielliebchens, war Häcksel stark und unternehmend ins Leben zurückgekehrt und fühlte sein Blut besonders auf der linken Gesichtshälfte, wo der Schlag hingefallen, angenehm warm kreisen.

Man ist doch in der Hauptstadt gleich mitten im Leben, dachte heiß der Geohrfeigte. Die Königin der Nacht und der Teufel sind mir schon begegnet. In unserem Bergwerk daheim werden die Flöhe staunen, wenn sie davon hören.

Und er überzeugte sich, mit dem Zeigefinger hinter sein Ohr tastend, daß er die Flöhin Zinnoberchen noch nicht verloren hatte, und war zufrieden darüber.

Dann fand Häcksel endlich eine lebhaftere Straße, und da funkelte Licht, und erleuchtete Wagen ohne Pferde surrten heran und jagten vorüber. Und in der nächsten Straße war so viel Licht, als wenn Häcksel einen Schlag mit der Faust ins Auge bekommen hätte und Feuerfunken tanzen sehen könnte. Menschen, Männer und Frauen, Arm in Arm, sich wiegend und lachend und kreischend, kamen herangezogen. Manche hatten weiße, andere rote, andere schwarze Gesichter, und einige hatten besonders große Nasen vom Gesicht abstehen, aber alle grinsten vergnügt. Häcksel hatte niemals ähnliche Menschen gesehen und wurde scheu und ängstlich. Und wie er an ein besonders hellerleuchtetes Haus kam, dachte er, das müsse ein Gasthaus sein. Denn es war ein leuchtendes Schild davor, das glänzte auf und verschwand, und der Wirt, der das Gasthaus besaß, hieß »Kino«.