Während sich alle meine Freunde beim Näherkommen über die Federn, die Haltung, die Kopfwendungen der Eulen ereifert hatten, wurden sie jetzt stumm. Und nur Claudia, die vorher stumm gewesen war, als wir die Eulen zuerst erblickten, wurde jetzt vor den Eulenaugen laut und begeistert.

»Haben diese Vögel nicht die schönsten Augen der Welt? Da sprechen die Menschen immer von glotzenden Eulenaugen, und ich finde, es sind die feierlichsten, ausdrucksvollsten, geheimnisreichsten und schicksalsschwersten Blicke, mit denen nur je ein lebendes Wesen auf die Welt herabsehen kann. Solche Augen möchte ich haben,« setzte Claudia hinzu. »Wie ich diese Tiere um ihre Augen beneide! Auf was warten sie nur, diese Eulenaugen?« —

Als wir uns später unter dem schwerhölzernen, blutroten chinesischen Tor am Ausgang des Zoologischen Gartens trennten und der Abend schon über den Straßenschachten dunkelnd lag, die elektrischen Lampen in den Straßenfluchten aufleuchteten, ging ich einsam heim. Der Himmel wurde immer nachtdunkler, und als ich in den nachtschwarzen Äther sah, der noch sternlos über den Dächern der Häuser stand, erkannte ich in dem schwarzen Himmelsabgrund, den Eulenaugen und Claudias Augen eine Einheit. In der Nacht und in jenen Augen war kein Blick mehr, den man hätte fühlen können. Sie schienen alles innere Leben hergegeben zu haben. Und nur ein Wille war in ihrer Finsternis. Der: mit stummer Macht den Untergang der Lebenden, auf die sie herabsahen, zu erwarten.


Nächtliche Schaufenster