Wächsern von dem Blutverlust war das feine Gesicht. Starr gestreckt, leblos lagen die edlen schlanken Hände. Frauenhände. Und hatten all die Zeit so schwer und treu gearbeitet an männlichem Werk.

Du darfst mir nicht sterben, Junge, Du lieber — so grub und dachte Horst ohn Unterlaß. Sein Wille wühlte und flehte und zwang.

Draußen leuchtende Frühlingsmorgenlust. Durch den geöffneten Fensterspalt drangen die Lieder aus schmetternden Finkenkehlen.

Vom Hof her gedämpfte Menschenstimmen. Den Rauch und Ruch von der Brandstätte verwehte der Wind nach anderer Richtung. Das da draußen, der Ausstand, der Aufruhr — wie fern lag das alles dem pflegenden Freund.

Bin ich ein Führer? Die Sache will mich — die Mannschaft wartet meiner. Versunken die Sache, die Pflicht, der Beruf. Hier muß ich führen — die gelöste Seele wieder ins Leben führen, das ist mein Amt.

In meiner Hand, die Dich hält, ist mein Wille — und mein Wille hat seine Kraft — Leben ist mein Wille — in Deine entseelten Finger ström ich es ein —

Die Finken schmettern ohn Unterlaß in den aufleuchtenden Morgen — stark ist das Leben und froh —

Zuversicht — des Glaubens Frohheit ist des Willens Odem und Herzschlag — ich will, daß Du lebst — ich glaube, daß Du uns lebst — Gisbert, Du geliebter Junge!

Und sieh — ist da jetzt nicht ein leises Schwingen — ganz leise unter der kalten Haut Deiner Finger — nur meiner hütenden, Dir ganz ergebenen Hand vernehmbar — aber es ist — es ist!

Und da — Hufschläge vor dem Haus — ein leichter Wagen fährt auf die Rampe — wenn es das ist, wenn eine Nähe mir hilft, Dich zu beleben — eine Nähe, die Du ahnst, die Du fühlst — die Dich zurückruft, zurückschmeichelt in das Diesseits —