Ja, eine neue Kraft ist erschienen — ist ins Haus gekommen — eine neue Hilfe, eine bessere, stärkere —
Steigt nicht ein leichtes Rot in Dein Gesicht? Beben nicht Deine Lippen? Zuckt es nicht in den gesenkten Lidern?
Jetzt — die Tür tut sich auf — Frau Tilde tritt ein — jetzt weiß ich es, Du wirst gehalten, Du wirst gewahrt, Du wirst gerettet! In ihre Hand leg ich Deine Finger. Ihrer Sorge, ihrem Willen, ihrem Glauben überantworte ich Dich. Jetzt habe ich die Gewißheit, daß Du lebst!
Tilde ist allein mit Gisbert. Schon hat der Schlaf ihn in die Arme genommen, an das Leben ihn wieder auszuliefern. Der Atem fängt an, ruhig zu gehen. Der Puls setzt nicht mehr so bedrohlich aus.
Augen wachen über ihm, in die seines eigenen Daseins Licht sich eingesenkt hat. Seines Schicksals Sternenglanz bestrahlt ihn. Jetzt hebt und trägt es ihn diesem Schein entgegen.
Seine Lider zittern. Ein dünner Spalt — scheu, angstvoll, ungläubig noch lugt der Blick hindurch in die entrückte, unfaßbare Wirklichkeit.
Aber jetzt träufelt und tropft es hinein von dem seligen Glanz — ein glückhaftes Erschrecken — groß im Offenbarungsschauer tut das Auge sich auf — und jauchzt in den Schein — und schließt sich dann wieder, müde von des Glückes Unendlichkeit.
So gaben Frau Tildes Augen dem todwunden Gisbert das Leben wieder.
Jetzt nach diesem Rettungswerk braucht auch der Vater ihre Hilfe. Von all den Erregungen und der krampfhaften Anspannung der Kräfte ist er doch zusammengeklappt. Tapfer gibt er sich. Aber die Tochter sieht tiefer.
Sie will ein paar Tage hierbleiben. In Mönkhov sei es nicht so schlimm. Nur ein Teil der Leute habe die Arbeit niedergelegt.