Horst, der Pastor, der Doktor, Vita und Kunz gingen eine Strecke im Takte mit. Der Doktor sprach mit Horst. Er war stolz darauf, daß von seinen Jungen wieder nur die beiden räudigen Schafe fehlten.
Übrigens der eine von diesen, der Kommunist, ein unheimlich begabter Mensch. Ein musikalisches Genie. Lebte als reiche Waise im Hause einer halb verrückten Tante, die ihn frei gewähren ließe. Jetzt hätte er Klavierstunde genommen bei der Nihilistin, die die Stadt unsicher machte.
Lona also. Diese letzte Wendung gefiel Horst nicht. Aber Doktor Stump sagte noch mehr von ihr. Natürlich sei der Junge rasend verliebt in sie. Eine Gefahr nicht bloß für ihn. Eine Gefahr, die weitere Kreise ziehen könne. Höchstwahrscheinlich lasse sie alle Minen springen, um Bresche zu legen in die Reihe der Primaner. Für die sie natürlich etwas lockend Geheimnisvolles und Verbotenes sei.
Horst trug an einem Unbehagen. Aber die Vertraulichkeit einer Entgegnung, einer Auseinandersetzung widerstrebte ihm. Und der Doktor, so ehrlich wie befangen, ging weiter im Text. Von all den Aufwieglern in der Stadt sei sie ohne Frage die Bedrohlichste, schon als die geistig Bedeutendste. Und ihr Zauber, um den die männliche Jugend zu kreisen geneigt ist —! —
„Wer weiß,“ rief der Lehrer erbost, „ob ich Ihnen das nächste Mal noch all diese Jungen wieder hinausbringe!“
„Sie meinen —! —“
„Nicht unmöglich, daß sie ein pazifistisch-musikalisches Jugendkränzchen mobil macht, gegen unsere vaterländische Jungmannschaft! Die Erregung gegen sie ist im Wachsen. Vielleicht steht ihr so mancherlei bevor!“
Nun richtete Horst sich steil auf. „Sie ist eine Frau, eine Dame —!“
„Sie macht Politik. Und Politik ist geschlechtslos —“
Die anderen traten hinzu, sie wollten umkehren. So verabschiedete man sich.