Pastor Waermann wußte von ihr. „Ich muß offen gestehen — unbehaglich ist sie mir ja — aber darum —!“

Horst, der empfindlich gewordene, wollte gegen das „unbehaglich“ sich ins Zeug werfen. Dann aber griff er es willig auf. „Sie ist sich selbst nicht behaglich — zerquält, vom Leben zerschlagen. Nur in ihrer Kunst kann sie sich wiederfinden. Und gerade die Orgel trägt sie auf andere Bahn. Es dämmern Bekehrungsmöglichkeiten —“

Dann brach er jäh und unwirsch ab. So was wie gemeinsames Rettungswerk widerstrebte ihm aufs tiefste. Und da er von Wandlungsmöglichkeiten sprach, verriet er hier nicht heimliche Hoffnungen?

Kunz mit Vita ließ seinem Unmut die Zügel frei. Längst hatte er vor ihr keine Geheimnisse mehr. Eine selbstverständliche Vertraulichkeit band die jungen Herzen. „Horst orgelt sich da selbst in etwas hinein. Solche innere Mission färbt immer ab. Er soll die Finger davon lassen. Er braucht — wir brauchen seine reinen Hände!“

Schwer ging seine Brust. Vita sah, wie er litt, an quälender Sorge. Sie nahm seinen Arm. Da durchrann ihn das Glück. Und er hob sich fröhlicher. „Das Siedlungswerk soll nicht untergehen! Deutsche Augen — deutscher Glaube sind auf uns gewandt. Wenn Horst uns versagt — er darf es nicht, denn alles hängt an ihm — aber wenn, wenn — Dankwart ist zu sonnenlos und Gisbert, der jetzt kaum noch was Irdisches hat, schwimmt in seinen Unendlichkeiten. Dann muß ich — ich wachsen an meinen Pflichten!“

Sie blickte zu ihm empor. Alles Kindliche, Spielerische fiel von den beiden ab. Eine Weihe der Kraft schloß die jungen Menschen zusammen.

Heimweh

Horst brachte Lona den Kirchenschlüssel. Sie hatte die Erlaubnis, morgen Montag zu einer ihr genehmen Stunde auf der Moordorfer Orgel zu spielen.

Sein Lohn wurde ihm zugesichert, er sollte, wenn sein Tagewerk beendet wäre, am späten Nachmittag — diese Stunde wählte sie — ihr zuhören.

Horst war hinterm Pfluge gegangen. Er hatte Furchen gezogen durch deutsche Erde, der Duft der umbrochenen Schollen hing ihm im Haar, lebte noch in seinen Lungen und stählte ihm das Herz. Er fühlte sich sicher und reich. Wie ein Gebender erschien er sich, nicht als einer, der suchte und beschenkt werden sollte, da er den Weg zur Moordorfer Kirche antrat.