Die Luft prickelte und schäumte wie Wein von den Kräften und Säften des Frühlings. Dann und wann — wie ein Mädchenlachen, keck und spröde zugleich, zitterte es stoßend und kurz, höhnend und befeuernd durch den schweren seidenen Glanz des sinkenden Nachmittags.
Er dachte an Lonas Lippen, die vollen, farbigen, denen die schmerzverbissenen Kiefer so schwer zu schaffen machten, die so bitter in weher Ironie sich spannten. Hatte er jemals ein Lächeln, ein weiches, vergessenes Lächeln um diesen Mund gesehen? Und war doch der rote, blühende, lebensheiße Mund eines jungen Weibes.
Er warf die Arme. Ist es nicht aller Weisheit Anfang und Ende, nicht die Erlösung aus allen Nöten: die Sprache Mund auf Mund — gibt es eine andere zwischen Mann und Weib? Durch seine Sinne rieselte es. Was gehen ihre Gedanken mich an, ihre Dogmatik, ihr Geistesleben, ihr politisches Toben!
Vom Verstehen habe ich immer gesprochen, in so schönen Worten theoretischer Gesinnung. Was schwatz ich mich so herum um die einzige Verständnismöglichkeit, die gegebene, die gebotene, die notwendige? Die einzig wahrhaftige, von der all die verlogenen Mätzchen wie weggeblasen werden! Gibt es Waffenstillstand für uns, warum sollen diese Stunden sich nicht füllen mit allen Gaben der guten Lebensgeister? Die gut sind, weil sie nur fühlen, nicht denken. Macht nicht das Denken erst böse?
Und er summte und träumte im Frühlingsrausch.
Wie er sie beim Torfmeister fand, war sie anders als das Bild seiner Wünsche. Auf ihrem Gesicht eine krankhafte Blässe, sie sprach wieder von schlafloser Nacht, und daß sie das Moor nicht vertrage.
Dem Torfmeister ging es besser, morgen wollte sie in die Stadt zurück.
Nun wanderten die zwei zum Dorf. Eine Befangenheit war um sie. Beide empfanden sie stärker als je das Ungewöhnliche ihres Beisammenseins. Eine Heimlichkeit vor den Freunden — und auch eine Heimlichkeit vor ihnen selbst, vor ihrem eigenen Wollen, ihren Kämpfen, ihren Lebenszielen. Wie ein Verbotenes, wie eine Schuld. Und wieder mit allen Reizen des Heimlichen und Schuldhaften.
So suchten und mieden sich verstohlene Blicke und Wünsche in wachsender Scheu. Kaum, daß sie ein Wort miteinander sprachen.
An der Kirchentür erwartete sie ein halbtauber Junge, der die Bälge treten sollte. Nun gingen sie in das Gotteshaus, darin schon die Abendschatten geisterten. Die rostige Stimme der Uhr mahnte sie mürrisch: es ist schon sechs! Der geduckte, karge Raum mit seinen gedrungenen Säulen und der düsteren Täflung gab den Eindruck einer trotzigen verbissenen Frömmigkeit.