Ihr habt gut Lachen und Leuchten, Ihr Fremden — ja, Ihr Fremden! Und eine Absage, ein Widerstand, fast eine Feindschaft erhebt sich in Horst gegen dieses vom Glück gepflegte Mädchen. Bei Lona sind seine Gedanken, der deutschen Frau, die das deutsche Schicksal zerschlug und zerbrach.

Was gehst Du mich an, Du Fremde, in Deinem Glanz? Kalt ist er mir, kalter und ferner Nordlandschein.

Und der alte Herr, der uns da entgegenkommt — ja lauf ihm nur in die Arme! Was kümmert Ihr mich, Ihr beide!

Dokumente „aus der Schwedenzeit“ will er hier aufstöbern. Und sie sagt das mit ihrem strahlenden Gleichmut. Die Schwedenzeit! Wißt Ihr nicht, daß sie ein Brandmal ist und ein Schandmal! Für uns das eine, das andere für Euch. Wie habt Ihr die deutschen Lande gebrandschatzt, ihre Bewohner gefoltert, die deutschen Seelen gepeinigt und verheert. Was habt Ihr als Raubgut über die Ostsee verfrachtet! Das ausgeplünderte Deutschland, Eure Schlösser, Eure Geschlechter hat es reich gemacht.

Und nun kommst Du, der Erforscher dieser verruchten und verfluchten Zeit — fast so verrucht und verflucht wie die unsere! Kommst Du nicht mit einem Kopf daher, der wie geschnitten ist aus einem Bild jener zehnfach vermaledeiten Tage! Den Du noch barhaupt trägst, mit dem Hut in der Hand, ihn besonders zu bekräftigen!

Das graue Haar hängt lang bis auf den breiten Klappkragen hinab — warum ist es kein Spitzenkragen? Der paßte schon zu dem betonten Knebelbart! Und der Reiterobrist in Baners oder Torstensons Heerschar wäre fertig. Weht an dem grauen Schlapphut nicht die Straußenfeder?

Will dieser Mann einen alten Schweden uns vormimen? Will er uns höhnen mit dem dreißigjährigen Krieg, will er — was noch schlimmer wäre — unsere heutige höllenböse Zeit mit ihm trösten?

Gewappnet tritt Horst dem Herrn entgegen. Aber, wie er ihm in die Augen sieht, machen die ihn wehrlos. Von so junger, fast jungenhafter Treuherzigkeit sind sie und von so inniger Kraft reifen Denkens und ehrlichen Glaubens. Hier ist nichts von Schaustellung, von Pose und Geste. Ganz natürlich ist das Gepräge des Gesichts hineingewachsen in die Zeit, in die seine Arbeit sich vertieft. Der vornehme Kopf eines ernsten Forschers neigt sich grüßend von der hohen, sehnigen Gestalt zu Horst herüber.

Das gemeinsame Fachgebiet führt sie gleich enger zusammen. Mitteilsam, wie seine Tochter, erzählt Oberst Thorild, daß er hier den Spuren Bauers nachgehe, dessen Leben und Kriegskunst seine letzten Untersuchungen behandeln.

Wie frei und froh sie sich aussprechen, diese glücklichen, unberührten, von Krieg und Not und Schmach nicht zu Tode geschundenen Menschen! Was hat das Elend, die Unehre, die Schande aus uns gemacht! Was sind wir karg und schweigsam geworden, mürrisch, mißtrauisch, verschlossen und verkrochen! Und mit Neid blickt er die beiden an, und wieder mit einem Zorn.