„Ich möchte, daß Sie Vater kennen lernten“, sagt Ingeborg Thorild. „Er ist zu dem Herrn Pfarrer nach Moordorf gegangen. Ich soll ihm entgegenkommen. Wollen Sie mich begleiten?“
Ob Horst das will! So geht er mit ihr den Weg zurück, den er gekommen ist in Düsternis. Jetzt ist Licht um ihn her, er kann aus seinem seelisch zerwühlten Gesicht in die Welt blicken wie ein glücklicher Knabe.
Sie mit ihrer jungen unbekümmerten Wichtigkeit führt das Gespräch. Erzählt von ihrer Heimat, die sie leidenschaftlich liebt. Auf einem alten halb verfallenen Edelsitz in Södermanland wohne sie. Ihr Vater mit seinem Bruder, beide alte Offiziere, haben ihn billig gekauft. Nun werde er so nach und nach wieder aufgebaut. Bis heute seien die bewohnbaren Räume fast ganz von der Bücherei ihres Vaters eingenommen. Die Gutswirtschaft führe ihr Onkel. Aber der sei kränklich, und der Arbeit sei es zu viel für ihn.
„Kennen Sie Schweden?“
„Nein.“
„Seltsam — dieser Landstrich hier könnte auch bei uns sein. Die Heide, das Moor, die Findlingsblöcke. Nur haben wir mehr, und sie sind mächtiger. Und düsterer sind unsere Wälder.“
Sie kommen an dem Moor vorüber, das all seine goldenen Blumen entzündet hat. Die Abendfeuer sprühen über sie hin.
Ingeborg bleibt stehen. „Jetzt fängt wohl auch mein Moor zu blühen an. Als wir abfuhren, schlief es noch.“ Es ist eine Zärtlichkeit in den Worten, und Horst, in dem ein Dunkles aufsteigt, fragt: „Sie haben zu Ihrem Moor ein besonderes Verhältnis?“
„Ja, das hab ich. Es ist wie ein alter Freund. Niemand erzählt mir so schöne Geschichten.“
Jetzt denkt Horst an die Frau, die hier im Moorgrund liegt. Die immer nur Schauer vor dem Moore erlebt hat. Wie sagte der Alte damals? Wer vorm Moore bangt, wird von ihm gelangt! An diese leuchtende, lachende Nordländerin rührt solches Grauen nicht. Wie gut habt Ihrs gehabt, weitab von Kriegsnot und Friedensleid, daran unsere deutschen Frauen vergehen.