Ein daseinsfrohes, daseinsstarkes, freies, gerades Menschenkind wie andere auch — nur das Haar, das wundervolle, in dem das Licht alle Goldfarben aufklingen läßt, von der Waberlohe des Braungold bis zu dem stillen schweren Glanz des reifenden Weizens bleibt in märchenhafter Höhe.

Sie spricht, die Stimme ist hell, ein wenig hart für einen Mädchenmund. Das behutsame Schriftdeutsch, das zuerst etwas nach dem Fremdenführer schmeckt, hat nordischen Klang.

„Verzeihen Sie mir, mein Herr. Sind Sie bekannt in dieser Gegend?“

„O ja, wenn ich mich Ihnen zur Verfügung stellen darf.“

„Ich bin nun einmal so abscheulich pedantisch — ich muß von allen Sachen den Namen wissen — besonders in geographischen Dingen — meine Freundinnen sagen, daß ich recht eigentlich nach Deutschland gehöre.“

„Wo alles so schrecklich pedantisch ist.“

Sie errötet und bekommt ein liebes verlegenes kindliches Gesicht. „Ich wollte damit sagen, weil es das Land der Geographie ist. Der großen Geographen und der Atlanten. Ich will nichts Böses sagen gegen Ihr Deutschland. Jetzt am allerwenigsten. Ich habe Deutschland lieb. Mehr, als viele Deutsche es haben.“

Nun fliegt Horst mit ganzem Herzen zu ihr. Ich habe Deutschland lieb!

Sie gehen auf den höchsten der Hügel. Er hört von ihr, daß sie Schwedin sei, mit ihrem Vater unterwegs, der eine Studienreise mache. Kriegsgeschichtler sei er — also ein Fachgenosse, denkt Horst. Im Archiv der Kreisstadt seien wichtige Dokumente aus der Schwedenzeit. Auch im Pfarrarchiv von Moordorf. Sie hätten hier ein kleines Landhaus an der See gemietet und wollten wochenlang bleiben. Dann führen sie in ihrer Jacht wieder nach Hause.

Horst vergilt Offenheit mit Offenheit. Bald wissen sie voneinander wie alte Bekannte.