Das Tagewerk lag hinter ihm. Schwer und ehrlich hatten sie wieder gescharwerkt. Er ging an den jungen dem Ödland abgerungenen Feldern vorüber. Das Moorkorn, der Hafer, sproß, auch die Kartoffeln zeigten schon ihre kräftigen, bewußten, schwarzgrünen Schößlinge. Es lag wie ein Segen auf den Breiten, und er war nicht froh. Eine Kraft war nun einmal von ihm gegangen, ein Teil seines Lebens war verdorrt, und wieder warf das Verzagen ihn nieder.

Was können wir noch, was wollen wir noch? Haben die Ängste, die Nöte, die Qualen, die Schauer des Krieges und die schlimmeren des Friedens nicht unser Wesen welk und blaß unser Blut gemacht? Wir haben nichts und können uns nichts geben, so viel und heftig wir bei uns anpochen! Sind wir nicht die bekannten Bettler, die an eigenen Türen betteln? Kann von uns der Erlöser kommen?

Er wanderte nach Westen. Über den Himmel zog, da die Sonne sich neigte, der Perlmutterglanz eines brechenden Auges. Da vor ihm lag das Moor. Schatten schreckten über ihn hin, er kehrte sich um und ging zurück, den Goldbergen entgegen. Belastet schritt er und geduckt und blickte nicht auf.

Was huscht da, zuckt und zupft an seinen gesenkten Wimpern? Ein Lichtschein von Osten, da es Abend wird?

Augenflimmern eines überreizten Gehirns — er hält es der Mühe nicht wert, die Lider zu heben. Aber das Licht pocht und klopft und fordert. Es ist, als wenn jemand das Sonnenlicht mit einer Spiegelscheibe auffängt und ihm schräg gegen den Sehnerv peitscht.

Nun muß er mit dem Blick in die Höhe und da — oben auf den Goldbergen — hier sprudelt des Glanzes Quell — eine Lichtgestalt — ein Strahlendiadem zu Häupten — ein weibliches Wesen — ist es erdgeboren?

Hoch und schlank und königlich — nie hat auf Erden eine solche Haarkrone geleuchtet! Mit den Lichtern ihres Hauptes spielen die Sonnenstrahlen wie mit Schwestern.

Verzaubert in dem Lichtkegel steht Horst. Jetzt bewegt sich die Gestalt schreitet herab, in den Schatten, die Sonne löst sich aus den Flechten, der Strahlenbann erlischt, Horst ist wieder im Menschenland.

Er geht der hellen Frau entgegen, immer noch tastend, geblendet und unfrei. Sie aber ist die leuchtend junge Unbefangenheit und nimmt ihren Weg gradaus zu ihm.

Da sie vor ihm steht, atmet er erleichtert auf — all dies Überirdische und Vollkommene hat sich zu einer annehmbaren Wirklichkeit gewandelt. Beruhigende Mängel zeigen sich, das Gesicht hat gar nichts Erhabenes und Verklärtes, die Züge sind nicht einmal schön, nur herzerfrischend offen, und die stahlblauen Augen nicht groß, nicht tief, aber daseinsinnig, die alles, was sie sehen, als eigenes mehr oder weniger selbstverständliches Geschenk an sich nehmen. Die Nase erscheint breiter als sie ist, weil ein kleiner Sattel von Sommersprossen sie deckt. Die prachtvollen, weitläufig gestellten Zähne in dem vollen Mund schlürfen die Lebensluft wie einen köstlichen Trank.