Horst aber — und Kunz wurde seines Mißtrauens nicht Herr — blieb wie zugeriegelt und suchte die Einsamkeit.
Der alte Hüne im Moor hatte sein Kind allein begraben. Niemand hatte die Stunde gewußt, niemand erfuhr die Stelle. Die Genossen hatten eine große Leichenfeier gewollt. Die Blutzeugin für die große Sache! Wie konnte die Straße ihrer entbehren! Sie kamen zu dem Alten und forderten. Er wies sie ab. Sie drohten, da jagte er sie zum Teufel.
Und als sie zum drittenmal anrückten, mit Verfügungen der Behörde, da war es zu spät, da war die Tote nicht mehr über der Erde. Die Behörde hatte wichtigeres zu tun, als gegen den „alten Narren“ gesetzlich vorzugehen. So behielt Lud Uhlenbrook recht, und das Moor behielt Lona, sein Kind.
Fremd war der Alte für Horst geworden. Er und sein Moor. Da sie den letzten Abschied von Lona, von Lonas Bild ihm versagt hatten. Den Gräberkult hatte der Krieg ihm abgewöhnt, er brauchte auch hier keine Stätte des Gedenkens. Aber die Gesinnung des Alten, sein eifersüchtiger Haß — er konnte das böse Auge des wilden Druiden nicht vergessen — war nicht ein Feindseliges darin?
Bald würde er ja dafür sein Lächeln haben, aber noch schwärte etwas. Vielleicht, weil er den Riesen so gut begriff, wie ein Verwandtes. Weil er sich sagte, ich hätte es auch getan — hätte es auch tun mögen.
Er trug nun mal die leere Stelle in sich, da Lona von ihm gegangen war. Weit voneinander standen die Pfeiler unseres Glaubens. Aber da sie wuchsen aneinander, aufstrebten gegen einander, wölbten sie sich nicht einander entgegen? Hätten sie nicht zu einem Kuppelbau helfen können für das eine große deutsche Wollen?
Von mir zu Dir sollte die große Einheitslinie reichen. Gewiß, wärest Du nicht ein Weib gewesen, mir ein Wohlgefallen und eine Sehnsucht, meine Blicke hätten nicht immer und immer zu Dir den Weg genommen, unbeirrt, hinüber über all die Fluten, die zwischen uns und gegen uns brandeten.
Zu Herrn Knubart hätten sich von mir nicht diese Fäden gesponnen.
Nun, da Du hinsankst, ist die Brücke eingestürzt — ob sie leicht war, von schönen Träumen gehalten, sie war doch, und fester wäre sie geworden, und einmal hätte sie getragen. Die Brücke ist zerstört und die Fluten branden weiter.
Hat es Sinn, gegen sie anzukämpfen, sie einzudämmen, mit neuen Brücken sie zu überspannen? Der innere Feind! Steht er nicht als Verhängnis in den Sternen uns geschrieben? Unser unabwendbares Verderben?