„Ei der Tausend! Da kommen wir natürlich mit doppelter Freude.“ —
Am Sonntag, da die Schüler nach Hohenmoor hinauszogen, trug nicht die alte Freude ihre Schritte. Ihre Mienen und ihre Lieder waren voll Trotz.
Dr. Georg Stumps ehrliche Bulldoggenaugen waren blutunterlaufen, so hatte er sich gebost. Auf den Stachelspitzen seiner Haare tanzten Elmsfeuer. Das Provinzialschulkollegium hatte eine Verfügung erlassen und dem gesinnungstüchtigen Direx des Gymnasiums die entschlossene Direktive gegeben. Alle militärischen oder „den militärischen ähnlichen“ Übungen der Schüler waren streng verboten. Aber immerhin, Singen und Turnen durften sie noch — wie lange freilich, das weiß kein Mensch! Und so mußte es draußen, am Fuße der Goldberge, vorläufig bei Turnspielen bleiben.
Auch Horst ballt zu dem Ukas die Fäuste. Welch eine Beschämung vor den schwedischen Gästen! In diesem Sklavenland — wie soll man das Leben weiter und auf die Dauer ertragen!
Mit einigen der Jungen, die technische Neigungen haben, ist Dankwart angefreundet. Sie besuchen ihn in seiner Werkstatt. Über neue Flugzeugprobleme belehrt er sie, zukunftsgläubig vor diesen jungen Augen. Für die nächste Zeit schon verheißt er ihnen den Probeflug seines neuen kleinen Modells.
Ingeborg kommt, zunächst ohne den Vater, der noch dem Moordorfer Pfarrarchiv einen Besuch zu machen hat. Wie erfrischend diese nordische Ungezwungenheit und Unbefangenheit, mit der sie unter all die Männer tritt.
Kunz, der Wächter von Horstens Seele, gibt sich überwunden und gefangen. Dankwart verschanzt sich, angstvoller noch und mißtrauischer als vor Frau Tilde hinter dem Eisenwerk seiner Konstruktionen — welch eine Huldigung für die Frau! Und auch in Gisberts weltflüchtigen Augen lehnt sich etwas an die warme, licht- und farbenprächtige Erdennähe.
Sie tritt Horst zur Seite, als gehöre sie zu ihm. Gleich fühlt sie, daß eine neue Wunde ihn brennt. „Was ist?“ fragt sie leise und vertraut.
Er schüttelt leicht den Kopf. „Die Erniedrigungen nehmen kein Ende.“
Und schon tritt ein Gendarm auf den Plan, Bitterkeit in dem hellen Auge, Schwermut in dem hängenden Schnauzbart. Sein Auftrag kommt ihm selbst hart genug an. Sein eigener Schmerz ist mehr als all die subalterne Wichtigkeit.