„Denn mehr als je hat mich, sobald es Frühling wurde, mein Famulus im Stich gelassen.“
„Vater — nach dem langen Winter!“
„Dem Winter — mit seinen Eissegelfahrten und seinem Schlittschuhlaufen!“ lächelnd nahm der Vater ihr Kinn.
Horst sah sie in der farbenjauchzenden dalekarnischen Landestracht mit fliegenden Zöpfen über das Eis ihre Bogen schlagen! Welch ein Bild.
Er selbst war ein leidenschaftlicher und kunstvoller Eisläufer. Wieviel blanke blitzende Kindheits- und Jugenderinnerungen zuckten durch ihn hin. Wie fröhlich jung er wieder war! Was hatte er diesen beiden Menschen zu danken!
Und jetzt schlug der Oberst schlankweg auf den Tisch. „Wie wär es, Herr Oldefeld, wenn Sie hier einmal Atem holten. Wenn Sie sich einmal unser Land ansähen, Ihrer Urväter Heimat. Und mein kleines Landgut, mein Haus, meine Bücherei. Sie sollen auch kein müßiger Zuschauer sein. Ja, als Lehrmeister brauche ich Sie! Ich sagte Ihnen, daß wir auch siedeln wollen. Die Gedanken, die Sie mir entwickelt haben, und an denen Sie hier arbeiten — vorzüglich! Ich brauche Sie, Herr Oldefeld! Und wäre Ihnen herzlich dankbar für Ihre Hilfe. Und Sie würden vielleicht neue Kraft sammeln für Ihren schweren Dienst — an ihrem Lande.“
Jetzt fiel auch Ingeborg ein, und wie klang ihrer Worte Melodie! „Sie fahren mit uns, nicht wahr? Sie kommen in unsere schönste Zeit. Das Summen unter unseren Sommerlinden sollen Sie erleben. Lindheim heißt unser Gut. Nirgendwo auf der Welt gibt es solche Linden. Nur noch in der Heldensage findet man ihresgleichen.“
Horst konnte nur leise, mit hochatmender Brust den Kopf schütteln zu so herzbetörender Lockung. „Es soll ja noch heute nicht sein“, sagte er tonlos, gehalten zwischen Wehmut und Sehnsucht, sich selbst zu leisem Trost.
„In vierzehn Tagen bin ich hier fertig“, erklärte der Oberst.
„Nun inzwischen werden wir uns ja hoffentlich noch öfter sehen!“ Horst bat die beiden, doch einmal die Siedlung zu besuchen. Ob Sie nicht am Sonntag kommen möchten? Dann wären auch seine jungen Freunde aus der Stadt da. Kriegsspiele würde es geben. Die Schlacht bei Großgörschen wäre an der Reihe.