Ein Leuchtfeuer — das nach Norden weist und ruft — das Leuchtfeuer seiner Zukunft —

Und doch ein Trugbild? Horst will wissen, ob diese kürzeste der Nächte, die zauberkräftige, ihn narrt. Er schreitet die Dünen hinunter, am Strande entlang, der Landzunge entgegen. Da sieht er ein Dunkles auf dem weißen Sande — Kleider — eines Badenden — im Wasser ist niemand zu erblicken.

Es fährt ihm durchs Hirn — das Körperliche, das vorhin da in dem Mondstreif sich zeigte — und sein zweiter Gedanke: Gisbert, der Abendschwimmer —

Prüfend betrachtet er die Kleider — ja, Gisbert gehören sie. Er späht über die Flut, die der Nachtglanz ableuchtet — da hinten ein Segel, ein einziges Boot, ruhend in der Windstille, gespensterhaft — sonst nichts, nichts so weit das Auge greift. Das leidenschaftlich forschende, jetzt erstarrende Auge. Und eisig schneidet es ihm durchs Hirn: Gisbert ist von uns gegangen.

Helfen — Hilfe holen — wie sollen sie helfen, und wem! Wenn er es war, der da hinten, am Horizont in dem Mondstreifen trieb, in die Lichtbahn sich löste —! —

Leer ist die Mondstraße, leer ist die Flut ringsum —

Aber, da man nichts tun kann, nicht weiß, was man tun soll, da man hilflos ist — wie furchtbar dieses Alleinsein mit dem Geschehenen! Die Kameraden — Kunz muß es wissen, er muß es hören, muß was sagen, muß dabei sein!

Schon ist Horst nach der Baracke unterwegs. Er holt sich Kunz aus dem Verschlag. Nun stehen sie beide an den Kleidern und forschen über die See.

Dann stehen beide schweigend, und halten eine eigene Totenwacht.

Ruckweis befreit sich Horst von dem Schmerz, der ihn lähmen will. „Er hat es geschafft. Auch einer, der zu schade war — für das was uns beschieden ist.“