Heraus aus dem Schmutz, dem Ekel, an dem ich vergehe! Ein anderes Land öffnet mir die Arme, eine neue Heimat winkt mir — keine neue, die alte, die unserer Ahnen. Der klare Norden mit seinem Stolz, seiner Ehre, seiner Sauberkeit, seiner gesunden Kraft. Aufrecht! Wieder einmal aufrecht stehen und gehen! Liebe Menschen nehmen ihn dazu an die Hand.

Liebe Menschen — und hier? Die Kameraden hier? Kunz, Dankwart — hat sich zwischen ihnen und ihm nicht eine Kluft befestigt? Längst ist er ihnen nicht stur genug, nicht der Unbedingte, der Stürmer nicht, den sie wollen. Mit halbem Herzen nur folgen sie ihm, der ihnen nicht als Ganzer gilt. Sollte er ihnen nicht die Siedlung überlassen! Daß sie sie neu bauten in ihrem Geiste! Ein Stoßtrupp hartdeutscher Gesinnung — warum nicht! Vielleicht das beste.

Denn der linke Flügel, die Mulitz und Metzling, fangen an, bedenklich zu werden, weil ihre Macht ganz unverhältnismäßig anwächst. Durch meine Schuld? Weil ich das Steuer nicht fest genug halte? Nicht mit der sichern, gläubigen Hand, nicht unter dem klaren, unbeirrten, weiten Blick?

Unleugbar, die Widersprüche, die Zerwürfnisse mehren sich. Droht dem Werke der Zerfall — weil ich ihn nicht hindere? Der ich meiner Arbeit mich entfremde — aus Überdruß an meinem Vaterland!

Entfremdet meiner Arbeit — entfremdet den Kameraden — und dem einen, dem Jungen, dem Gisbert untreu, der wenn einer mich braucht! Um den meine Sorge so viel gewacht, an den sie so oft dachte in diesen letzten Tagen — nur daß sie nicht zugriff, wie es sich gehörte.

Wie nötig hat der Junge den treuen, festen Freundesarm, Muskeln und Knochen — er, der sich ganz hinausgeistern will aus dieser körperlichen Welt — nun noch gesteigert, getragen, erhöht und zugleich gescheucht und flüchtig von der Schwärmerei für diese Frau, die selbst hier keine rechte Heimat hat. Bist Du nicht wie entleibt unter uns gewandelt? Wo gibt es ein solches Sichlösen, Sichentäußern, Sichbefreien und Sichbeseelen als in deutschen Herzen? Nennt es Kraft, weil es eine Inbrunst, nennt es Unkraft, weil es ein Zerfließen ist. Und ist nicht ein Stück Gisbert in uns allen?

Seine Augen schweifen über das Wasser. Jetzt nimmt die leuchtende Straße seine Blicke an sich. Die Flut, vom Licht gebändigt, sanft und geduldig, wie hingegeben trägt sie die goldene Brücke zum Mond.

Da hinten aber — weit, weit dem Himmel nahe — was ist es, was sich da bewegt, in Wellen des Glanzes, in blitzenden Strahlen — ein Dunkles, das jetzt in dem Schimmern verzittert? Schon hat das Licht die Wasser wieder geglättet — war es ein mondtrunkener Delphin? Glatt gefügt spannt sich wieder die leuchtende Brücke.

Und weiter nach dem nördlichen Vorsprung zieht es seine Blicke. Dort auf der äußersten Spitze — ist es ein Zauber dieser hellen Nacht — eine weiße Mädchengestalt —? — Trug! Welches Menschenauge kann so weit sehen —

Und doch! Was flammt denn zu Häupten dieser Gestalt! Und hebt sie selbst in den Glanz? Nur eins gibt es auf Erden, was so leuchtet, Ingeborgs Haar.