Die Wüsten waren nicht zu bändigen. Das Richtfest am nächsten Sonntag — sie wollten ihren Trumpf daraufsetzen, es sollte den Siedlern gesegnet werden! Und der schwarze, der blutige Sonntag vom Mai würde seine Sühne finden.
Die Siedler arbeiteten mit verdoppelter Kraft. Zu früh war der Termin für die Richtung des Hauses angesetzt worden — es war ihr Ehrgeiz, ihn inne zu halten. Alles, was die Seelen bewegte und erregte, der Tod Gisberts, Horst in seiner Verschlossenheit, die zur Abkehr und Abweisung sich schärfte und anfing böses Blut zu machen, die Reibungen, Quertreibereien, Scheidungen und Zerwürfnisse innerhalb der Baracke — alles ward dem einen Gedanken untertan, dem Gedanken an das Haus und seine Vollendung.
Ein großer Tag sollte es werden. Alle, denen das Siedlungswerk etwas bedeutete, sollten mit feiern. Was einer an Freundschaft hatte, wollte er bitten, jeder Biedermann sollte geladen sein. Ein Volksfest! Mit eifriger Hingabe sie alle bei der Vorbereitung. Kein Wort gab es, das nicht von der Richtfeier sprach. Wie Kinder vor dem Weihnachtsfest waren die Männer.
Horst berief Dankwart und Kunz zu einer Unterredung. Er sprach ohne Umschweif, mutig und frei. Die schweren Worte wurden von einer harten, hellen Entschlußkraft wie emporgeschnellt. „Ich gebe mit dem Richtfest das Siedlungswerk in Eure Hände. Ich hab mit der Gründung meine Kraft aufgebraucht. Ich kann hier nicht mehr wirken, nichts mehr leisten, ich bin nur noch im Wege. Erst muß ich mich selbst erneuern. Das kann ich nicht in dieser Luft. Darum will ich eine Zeitlang außer Landes gehen. Meine neuen schwedischen Freunde haben mich eingeladen. Ich fahre mit ihnen.“
So weit war er also! Die Kameraden hatten ja sein Wanken gespürt. Daß er jetzt ganz von ihnen wich, daß er sie und seine Sache verlassen wollte — wenn sie es auch in dunklen Stunden gefürchtet hatten, jetzt traf es sie wie ein jäher Schlag. Keinem von den beiden lag es, zu klagen, zu jammern, zu bitten, ob sie gleich wußten, was über die Siedlung hereinbrach. Waren sich auch wohl klar darüber, daß mit Flehen und Winseln hier nichts zu schaffen sei.
Dankwart, finster, sprach in sich versunken ein klanglos leeres Wort: „Das ist sehr zu beklagen.“ Kunz, beweglicher, weiter greifend, heftiger: „Dann können wir hier also einpacken!“
„Was heißt das!“ Horst lehnte sich dem entgegen. „Das Werk bleibt. Und wenn ich nicht bleibe — jeder ist zu ersetzen. Vielleicht ist es meine Sache, etwas anzuregen, etwas in die Wege zu leiten. Aber es fest an der Hand zu halten — das ist mir offenbar nicht gegeben. Ihr seid die Stetigen, die Beharrlichen, die Harten — führt Ihr das Werk weiter.“
Kunz war in die Höhe gesprungen. „Ob das wahr ist, ob das falsch ist — ich habe die eine Frage, die Du immer gestellt hast! Wo bleibt das Beispiel, frage ich! Bist Du es nicht, auf den alles blickt!“
„Man blickt auf mich, sagst Du — nun, so wie ich bin, darf ich mich nicht länger zeigen. Ich muß wieder anders werden — ehrlich will ich mich darum mühen. Ich will ja auch nicht für immer fort.“ Und nun schlugen seine Arme wie gehemmte, verschnittene Flügel. „Nur ein Ausflug soll es sein — aber ich brauche den Flug!“
Darauf Kunz, seine Stimme pfiff wie eine Klinge: „Horst — Du kommst nicht wieder.“ Hierin war soviel Klage, soviel Zorn, soviel Schmerz, die Männer zuckten zusammen, alle drei. Und ein Schweigen schloß sie ein.