Horst blickt den Schreitenden nach. Oft noch dreht Ingeborg sich um und winkt mit dem Tuch. Er muß bitter hart die Zähne aufeinander beißen. Wieder ist eine Kraft von ihm gegangen. Wieder eine Saite in ihm zersprungen. Aber, was er noch hat, treu muß er es bewahren, denn es gehört nicht ihm allein.
Und wie er jetzt die Kameraden sucht, da tritt jemand vor ihn hin, ein Unerwarteter. Stahlboom, der Kommunist. Der Feind, mit dem er gekämpft auf Leben und Tod. Der Feind — der Landsmann jetzt, der Deutsche. Reicht ihm die Hand, schnell, hastig — aber Hand ruht doch in Hand. Ob heimlich, wie beiläufig, ärgerlich fast — die Hände haben sich doch gefunden! Wahrhaftig und notwendig! Die Hände und die Herzen! In diesem Zeichen wachsen sie zusammen.
Da leuchtet es nun erst über Horst hin — der Lichtstrahl der glückhaften Erfüllung! Die deutsche Einheit — die Front ihrer Streiter — sie ist kein Traum — sie kann sein — sie wird sein — sie ist! Nur braucht sie ihr Signal! Die rechte Fahne muß wehen! Dafür leben und sterben!
Horst ist mit den Kameraden zusammen. „Ja,“ sagt Horst, „ob Ihr mich bei Euch behaltet? Ob Ihr nicht die Suppe, die ich auch Euch eingebrockt habe, mich lieber allein auslöffeln laßt —! —“ Da lachen all die Siedler laut hinweg, was er sonst noch hätte sagen können.
Kunz packt seine Hand und reißt ihn zur Seite. Und mit einem unbeschreiblichen Blick, in dem ein Bekenntnis liegt voll aller Düsternis und aller Helle dieser Welt, mit seinem lächelnden Knabenmund: „Ich dank Dir auch, Horst — dank Dir, daß ich Dich nicht hab um die Ecke zu bringen brauchen.“
Horst blickt in diese Tiefen und versteht den Freund, und ihre Freundschaft ist geheiligt.
„Und jetzt weihen wir unser Haus! Ihr Jungen, singt Deutschland Euer junges Lied! Wir stimmen mit ein.“
Und zur Sonne empor braust es:
Wir sind die Jungen! Wir sind die Kraft,
jede Faser gestrafft und gerafft,