Es war dann, als käme Müdigkeit über ihn. Wieder aber regte er sich lebhaft, und es klang fröhlich: „War ich nicht heute abend auch ein Sinnbild: zerschlagen von den Stuhlbeinen der Galerie! Gibt es was Erhabeneres? Hüten Sie mich Horst, daß ich nicht größenwahnsinnig werde!“
Doch jetzt brauchte er seine Ruhe und sprach nicht mehr.
Horst aber tauchte zurück in den Abend, mit Trauer, Schmerz, mit Zorn und mit Scham.
Deutschland — machst du es deinen treuen Söhnen nicht allzu schwer? Sind deine Feinde, deine Folterknechte dir nicht blutig, nicht roh, nicht feige, nicht heimtückisch genug — mußt du dir selbst der tückischste, der feigste Feind von allen sein!
Ein deutscher Mann spricht die selbstverständlichen deutschen Worte! Er sagt, daß du, Deutschland, deutsch bist und deutsch sein mußt. Was geschieht? Er wird aus dem Hinterhalt gemeuchelt!
In welchem Lande der Welt wäre so etwas denkbar — dann vor allem denkbar, wenn die Feinde, schlimmer als es im Kriege geschieht, dieses Land zerfleischen und zertreten! In Guatemala nicht, bei keinem Stamme der Maoris!
Soll man sich immer wieder damit trösten, daß du das Land ohne Beispiel bist, ohnegleichen im Großen wie im Armseligen, im Guten wie im Verruchten? Und wie lange soll dieser Trost vorhalten?
Ist es zu verwundern, wenn man schließlich da landet, wo diese rätselhafte Fremde sich angebaut hat? Wie sagte sie doch, höhnend und hart: „Deutsch ist mir ein zu unwesentlicher Begriff!“
International also — pazifistisch — eine Kommunistin offenbar. Freilich, er hatte sich die „Petrolösen“ anders gedacht.
Ob sie in der Stadt ansässig war? In der, wie er wußte, seit geraumer Zeit ein Agitationsherd brannte, mit lichterlohen roten Flammen.