Und aus dem Dunkel, wie ein Spuk, schlürfte ein altes gebücktes Weib mit Scheuertuch und Eimer. Stieg keuchend auf die Bühne und wusch kopfschüttelnd und brummig das Blut von den Dielen.
Frei und gut ist dasselbe
Es war nicht weit von Mitternacht, als Herr von Borkhus mit Horst den Wagen wieder bestieg. Strempel mußte fahren.
Der Mond leuchtete die menschenleere Straße ab. In dem Torweg, dem Gasthof gegenüber stand eine Frauengestalt.
Ein junges schlankes Weib — mehr konnte Horst nicht erkennen, zumal der Verwundete ihn in Anspruch nahm. Dann aber, da sie abfuhren, blitzte es ihm durch den Sinn: das ist deine Nachbarin, wer sonst! Was will sie hier! Und wieder: wer ist sie? Wollte sie sehen, wie es mit dem Verletzten stand? Um den sich sonst, im ganzen Orte niemand mehr kümmerte? Sie als die einzige — was trieb sie dazu?
Borkhus hatte sich längst wiedergefunden. Die Schmerzen drückten ihn nicht nieder, sie hoben ihn. Daß er selber litt, daran wuchs seine Kraft, sein Trotz, das bannte den Schatten.
„Ich würde es immer wieder tun,“ sagte er, „der Würger“, frei und stark. „Wer mir an die Offiziers- und Mannesehre geht — wie ich ihn fasse, so muß er dran glauben! Immer tät ich es wieder!“
Jetzt dachte er an die vielen beschimpften, entehrten Kameraden. „Und das tat ich für euch alle!“
Horst sann nach und nickte düster und sprach: „Daß wir zum Symbol werden — jeder nach seines Wesens Bestimmung — das ist unseres Lebens Sinn!“
Borkhus nahm seine Hand. „Das ist das Wort! Zum Symbol werden! Wie ein Ruf erging es an mich! Welt gegen Welt! Und — ich konnte gar nicht anders.“