„Guten Abend!“ grüßte Horst.
„’n Abend“, polterte der Alte mit unglaublich gemütlichem Grollen zurück. Und dann stöhnte er: „Wollen Sie sich setzen. Eh ich aufgestanden bin, haben Sie längst vergessen, was Sie von mir wollen.“
Horst holte sich einen von den schweren eichenen Holzstühlen. Er sagte, daß er von der Siedlung käme.
„Hab ich mir gedacht. Und wissen Sie, daß wir Feinde sind!“
„Feinde?“
„Über ’n Zehntel von meinem Moor haben Sie mir genommen! Aus meinem Leben ist das rausgeschnitten. Denn mein Moor ist mein Leben.“
Jetzt stöhnte er wirklich und aus der Tiefe. Die Hausbalken ächzten. „Seit der Zeit hat es mich gepackt. Und nun ist nichts mehr mit mir los. Haben Sie ’ne Ahnung, was Moorpodagra ist?“
„Nein.“
„Danken Sie Ihrem Schöpfer. Aber —“ jetzt rieb er sich die unermeßlichen Vorderflossen — „vielleicht erleb ich’s noch, daß Ihr Siedler das auch abkriegt! Wär das — wär das ein Schützenfest! Hahahaha!“ Das Haus lachte mit, die Wände, die Dielen, die Möbel.
Mit dieser Verwünschung hatte seine Galle sich entgiftet. Die Augen, große Spitzbuben von Natur und jung trotz der roten wimperlosen Lider, waren schon wieder geneigt, das ganze Leben als eine erkleckliche Schalksnarrheit halb ausgelassen, halb wehmütig zu betrachten. Er rührte sein Fußwerk, sehr behutsam, es ging besser als er dachte. „Torfwasser! Fünfzig Jahre Torfwasser! Torfwasser ist ’ne eigne Mixtur, kann ich Ihnen sagen. Leichen erhält’s. Lebendiges frißt es an.“