Das Meer, das grausame, zerstört. Alles, was es hinabschlingt, gibt es der Verwesung preis, den Zähnen seiner Bewohner, und wirft und speit die eklen Reste wieder von sich — das Moor sorgsam und sanft, balsamiert alles ein, bewahrt dem Toten die Schönheit des Lebens, hat Freude an der Form und Lust am Erhalten.
So ist das Moor, denn das Moor hat ein Herz!
Dies war der Klang, in dem der Alte sich vernehmen ließ, auf seine Art. Und diese Art stieg über ihn selbst hinaus, da er dem, was ihm ans Leben gewachsen war, seine Hymnen sang.
Horst hatte seine Freude an dem Alten. Er wußte, daß sie beide auch jenseits vom Moor sich nahe kommen würden. „Ich will mich bemühen,“ sagte er, „Ihren Freund zu verstehen. Und womöglich auch Freundschaft mit ihm zu schließen.“
Sie sprachen dann über die Torflieferung für den Ziegeleibetrieb. Dem Siedlungswerk an sich war der Torfmeister zugetan, und er versprach ihm seine Förderung.
Und dann strömte auch ihr Fühlen und ihr Gespräch in die große deutsche Not. Der Torfmeister hatte seine festen Gedanken. Dies war kein grader Krieg — schief kam er und aus der Ecke! Was ging uns um Haut und Haar das an, was da unten bei den Mausefallenhändlern passierte! Ich war 66 und 70 dabei — da wußten wir, was wir wollten! Aber hier wußten wir nicht mal, was die anderen wollten. Und darum, es war krumm und dumm von vornherein. Und doch krümmer und dümmer, was wir all die Jahre vorher angestellt haben, uns all die vielen Feinde aufzuhalsen.
Hierüber brauchten die beiden sich nun nicht weiter zu verständigen. Sie landeten jetzt bei dem Heute, bei dem, was diesem Landstrich beschieden war.
Hier hat es schon vor dem Kriege gezuckt und getuckt, sagte der Alte. Gewiß, vieles, was so von Leuteschinderei geredet werde, sei Hetze und Geschwätze. Aber mancher Gutsherr habe doch sein Teil auf dem Kerbholz. Das Volk wäre ducknackig und trüge viel, aber es fräße alles in sich hinein, und vergäße nie. Da hätte sich also schon was angesammelt. Und jetzt, wo die Funken durchs Land flögen —!
Wie es in Moorhof aussehe?
Herr von Borkhus gehöre nun gewiß nicht zu den Gewaltherrn. Er habe ein Herz für die Arbeiter. Aber er behandele sie nicht gleichmäßig. Leicht risse sein heißes Herrenblut ihn fort — hinterher täte es ihm leid, und überschwenglich verwöhnte er dann die Leute. So aber bekäme man sie nicht in die Hand.