„Ich kann eine gute Stelle in einem Bankgeschäft bekommen. Man darf doch seinem Glück nicht im Wege stehen.“

„Das darf man nicht.“

Es war einer von den Lauen, von den Strohfeuermännern, von den weichen Tieren. Aber einer der Geschicktesten und Arbeitsamsten, auch im Schreibwerk zu Hause.

Kunz trat darüber zu, der heute Bureaudienst hatte. Der das hören und ohne jede Schamhaftigkeit den Mann sich vornehmen! „Das dürfen Sie nicht, Radatz, und das tun Sie auch nicht. Gewiß, wir haben hier kein Mönchsgelübde abgelegt — aber wir wollen was zustande bringen. Man hat die Augen auf uns gerichtet. Man glaubt an uns. Und — was die Hauptsache ist — wir glauben an uns selbst. Darum gibt es bei uns kein Abbröckeln. Gibt es nicht. Unsere ganze Siedlung ist ein Beispiel — und so ist jeder einzelne von uns ein Beispiel. Sie, Radatz, wie wir alle. Und was wollen Sie jetzt wohl für ein Beispiel geben?“

Kunz, der sonst so wortfreudige, sprach nüchtern und trocken. Der also Bedachte schielte nach einer befreienden Ausgelassenheit und fand sich gefangen in dem harten zwingenden Ernst. Es gab weiß Gott für Kunz auch etwas, worin nicht mit ihm zu spaßen war.

„Glauben Sie, daß sich uns andern nicht auch Aussichten auftun? Vor allem unserm Baas, Herrn Oldefeld, der vier lebende Sprachen spricht und darum, wie schon Napoleon sagte, allein so viel ist wie vier Menschen —“

Horst winkte heftig ab.

„Nun ja, das alles erzählen Sie sich am besten selbst. Und jetzt werden Sie tun, was Sie wollen. Sie werden also bleiben!“

Der Mann bedachte sich nicht lang. „Ich will nicht der erste sein, der hier abbaut. So bleibe ich denn.“

„Hab ichs nicht gesagt. Und jetzt ziehen Sie sich mal Ihren Sonntagsnachmittagschen wieder aus und vertreten Sie mich heute im Büro. Ich will uns auf der See ’n paar Wasservögel schießen — Jürgens und Wendland nehme ich heute mit. Es soll genug werden für den ganzen Tisch. Rekonvaleszenten haben Anspruch auf Geflügel.“