„Ganz gewiß“, ermuntert ihn Horst.
„Ich hätte sprechen müssen. Immer und immer wieder muß man das Licht entzünden. Schließlich leuchtet es doch durch all den Rauch. Und der eine und andere brennt sich sein eigenes Licht daran an. Von Brüdern sprechen sie. Nur in diesem Kreise sprechen sie von Brüdern. Aber hinwiederum, Brüder sind nur und nur die Proletarier. Und es wird eine Brüderschaft des Hasses. Warum können sie sich den Blick nicht weiter machen und nicht das Herz! Warum können sie die Hände nicht herausreichen über die Hecke, hinter die sie sich einsperren! Und wenn diese Hände hundertmal leer zurückkommen — schließlich werden sie doch einmal ergriffen, und der Bund der Geister nimmt seinen Anfang.“
„Nun ja — auf den Anfang kommt es an. Aber wer soll anfangen? Immer sagt der andere, daß es der eine sein muß!“
„Daß der Haß so leicht ist und die Liebe so schwer! Wie soll man sprechen, was soll man tun, daß die Herzen sich öffnen! Wie soll man die Augen erheben, die immer nur die Not des Leibes sehen! Nicht die Seelennot aller gequälten Geschöpfe! Wie sie führen, daß sie in der großen Liebe die Heilung suchen auch für die kleinen Leiden.“
„Sie verlangen viel, Gustav Elbenfried.“
„Wir sollen viel verlangen“, spricht er in Verzückung. „Wir müssen das Höchste wollen, nur so werden wir des Niederen Herr!“
Sie schweigen. In diesem Bekenntnis lebt das Beste von ihnen allen.
Besuch in der Baracke
Es ging auf den März zu. Nach Erde roch es und zerfließendem Schnee. Vom Frühling schwirrte und klirrte schon dies zitternde Ahnen durch die Luft, dieses Surren, in dem die Nerven schwingen und das Blut singt.
Jetzt wurde der Siedlerbaracke ein sonderlicher Festtag beschieden, Frau Tilde machte ihr den versprochenen Besuch. Es war gegen Mittag, da kam sie mit dem Vater die Höhe herabgeschritten.